Am vergangenen Samstag kam es zu einem großen Polizeieinsatz auf der Raststätte Siegburg an der A3. Rund 700 Anhänger des 1. FC Köln wurden dort auf dem Weg zum Auswärtsspiel gegen den VfB Stuttgart von Einsatzkräften gestoppt und kontrolliert. Der Vorfall sorgt nun für heftige Diskussionen zwischen Fans, Verein und Behörden.
Die Polizei begründete den Einsatz mit Hinweisen auf eine mögliche Auseinandersetzung zwischen Kölner und Stuttgarter Fangruppen. Nach Angaben der Beamten sollen «zuverlässige Informationen» vorgelegen haben, dass rivalisierende Fangruppen auf der Raststätte aufeinandertreffen könnten.
«Wir mussten präventiv handeln, um eine potenzielle Gefährdung zu verhindern», erklärte ein Polizeisprecher. Die Beamten stoppten gegen 8:30 Uhr insgesamt zwölf Fanbusse. Die Kontrollen dauerten mehrere Stunden an, was dazu führte, dass viele Fans das Spiel in Stuttgart nicht rechtzeitig erreichten.
Der 1. FC Köln reagierte mit deutlicher Kritik auf den Polizeieinsatz. «Nach unseren Informationen gab es keinerlei konkrete Anhaltspunkte für geplante Ausschreitungen», sagte FC-Geschäftsführer Christian Keller. «Unsere Fans wurden pauschal kriminalisiert und am Ende um das Spielerlebnis gebracht, für das sie teilweise wochenlang gespart haben.»
Auch der Kölner Fanbeauftragte äußerte Unverständnis: «Die allermeisten der kontrollierten Personen waren ganz normale Fans – Familien mit Kindern, Senioren und langjährige Anhänger ohne jede Vorgeschichte. Diese präventive Maßnahme war völlig unverhältnismäßig.»
Die Fanszene des 1. FC Köln hat inzwischen zu einer Schilderung der Ereignisse aufgerufen. In sozialen Medien berichten zahlreiche Betroffene von stundenlangem Warten ohne ausreichende Versorgung und sanitäre Einrichtungen. «Wir standen über vier Stunden in der prallen Sonne, ohne genügend Toiletten oder Wasserzugang», berichtet ein Familienvater, der mit seinen zwei Kindern unterwegs war.
Besonders kritisiert wird, dass die Polizei offenbar alle Fans gleich behandelte. «Es wurden Personalien von Kindern und älteren Menschen aufgenommen, die noch nie mit der Polizei zu tun hatten», berichtet ein langjähriger FC-Fan. «Das hat mit gezielter Gefahrenabwehr nichts zu tun.»
Die Polizei verteidigt hingegen ihr Vorgehen. Bei den Kontrollen seien vereinzelt Gegenstände wie Sturmhauben und pyrotechnisches Material sichergestellt worden. Zudem seien einige der kontrollierten Personen bereits in der Vergangenheit bei Auseinandersetzungen im Umfeld von Fußballspielen aufgefallen.
Der Dachverband der Fanhilfen kündigte bereits rechtliche Schritte an. «Was hier passiert ist, war eine unverhältnismäßige Kollektivmaßnahme, die rechtlich überprüft werden muss», erklärte ein Sprecher. Es sei nicht hinnehmbar, dass hunderte unbescholtene Fans unter Generalverdacht gestellt würden.
Auch politisch könnte der Fall noch Nachwirkungen haben. Die Landtagsabgeordnete Lisa Meyer (Grüne) forderte eine Aufklärung im Innenausschuss: «Wir müssen prüfen, ob hier das Prinzip der Verhältnismäßigkeit gewahrt wurde und welche konkreten Erkenntnisse zu diesem massiven Einsatz geführt haben.»
Der Polizeieinsatz reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Konflikten zwischen Fußballfans und Sicherheitsbehörden. Fanvertreter beklagen eine zunehmende Kriminalisierung, während die Polizei auf ihre Verantwortung für die öffentliche Sicherheit verweist.
Für die betroffenen FC-Fans bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Viele von ihnen erreichten das Stadion in Stuttgart erst zur zweiten Halbzeit oder gar nicht. Der FC-Vorstand kündigte an, das Gespräch mit den zuständigen Behörden zu suchen und mögliche Entschädigungen für die Fans zu prüfen.