Als ich gestern durch die Meldungen scrollte, fiel mir etwas Interessantes auf: Nordrhein-Westfalen geht bei der Kriminalstatistik neue Wege. Das bevölkerungsreichste Bundesland erfasst seit Kurzem auch die Mehrstaatigkeit von Tatverdächtigen. Eine Entwicklung, die durchaus Wellen schlägt in der aktuellen integrationspolitischen Debatte.
Die Polizei in NRW hat ihre Systeme angepasst und dokumentiert seit dem 16. Januar neben der ersten auch weitere Staatsangehörigkeiten bei Tatverdächtigen. NRW-Innenminister Herbert Reul sieht darin ein wichtiges Instrument für eine faktenbasierte Diskussion. «Wer gute Sicherheitspolitik machen will, braucht ein genaues Lagebild», erklärte er gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Eine Aussage, die mich nachdenklich macht.
Während meiner Recherchen in Düsseldorf letzte Woche sprach ich mit Experten, die unterschiedlicher Meinung sind. Einige sehen darin eine notwendige Transparenz, andere befürchten Stigmatisierung. Die Statistik soll laut Ministerium kein «Pranger» sein, sondern der Prävention dienen. Interessant ist, dass andere Bundesländer wie Bayern und Sachsen ähnliche Erfassungen planen, während Berlin bereits seit 2022 alle Staatsangehörigkeiten registriert.
Als Gesellschaft stehen wir vor der Herausforderung, statistische Daten differenziert zu betrachten. Die Frage nach Ursachen von Kriminalität ist komplex – Staatsangehörigkeit allein bietet keine ausreichende Erklärung. Vielleicht sollten wir neben den Zahlen auch stärker über soziale und wirtschaftliche Faktoren sprechen, die Menschen in die Kriminalität führen können.