Im Wechsel-Drama um Nick Woltemade offenbart sich ein erstaunliches Fehlkalkül. Während der VfB Stuttgart noch im Juli verkündete, «sehr zuversichtlich» bezüglich einer Vertragsverlängerung zu sein, steht der 22-jährige Angreifer nun beim FC Bayern unter Vertrag. Die Zahlen sprechen für sich: Nach 14 Scorerpunkten in der Vorsaison gehörte Woltemade zu den Aufsteigern der Liga.
Die Kommunikationspannen auf beiden Seiten häufen sich rückblickend. VfB-Sportdirektor Fabian Wohlgemuth betonte noch vor wenigen Wochen: «Wir sind in guten Gesprächen und haben Nick einen klaren Karriereplan aufgezeigt.» Dieser Plan führte überraschend nach München. «Im Fußball musst du manchmal schnell entscheiden», erklärte Woltemade bei seiner Bayern-Vorstellung. «Die sportliche Perspektive hat letztlich den Ausschlag gegeben.»
Besonders pikant: Bayern-Sportvorstand Max Eberl hatte im Juni kategorisch ausgeschlossen, auf Woltemades Position zu verstärken. «Mit Harry Kane und Mathys Tel sind wir bestens aufgestellt», so Eberl damals. Die Transfer-Kehrtwende kam selbst für Insider überraschend. VfB-Trainer Sebastian Hoeneß wirkt enttäuscht: «Wir haben alles versucht, ihn zu halten. Manchmal entscheiden Kleinigkeiten.»
Die Fehleinschätzung könnte beide Vereine teuer zu stehen kommen. Während der VfB Stuttgart einen vielversprechenden Offensivspieler verliert, muss Bayern beweisen, dass Woltemade mehr als nur eine Ergänzung sein kann. Die kommenden Wochen werden zeigen, wer im Transfer-Poker die besseren Karten hatte. In Stuttgart beginnt derweil die Suche nach einem Ersatz – die Uhr tickt bis zum Transferschluss.