In Berlin nehmen die Bemühungen zur Stärkung des Startup-Ökosystems deutlich an Fahrt auf. Bürgermeister Kai Wegner kündigte bei einem Treffen mit führenden Köpfen der Berliner Gründerszene eine umfassende Strategie an, um die Hauptstadt als europäisches Zentrum für innovative Unternehmensgründungen weiter zu etablieren. «Wir müssen schneller werden und bürokratische Hürden abbauen«, betonte Wegner vor rund 50 Vertretern der Startup-Community im Roten Rathaus.
Berlin ist bereits jetzt die unangefochtene Startup-Hauptstadt Deutschlands mit über 3.400 jungen Technologieunternehmen. Im vergangenen Jahr flossen Investitionen von mehr als 2,4 Milliarden Euro in die Berliner Startup-Szene – das entspricht etwa 40 Prozent aller Risikokapitalinvestitionen bundesweit. Trotz dieses Erfolgs sieht Wegner noch erhebliches Verbesserungspotential, besonders im internationalen Vergleich mit Städten wie London oder Paris.
Die Hauptstadt punktet mit ihrer kulturellen Vielfalt, vergleichsweise günstigen Lebenshaltungskosten und einem großen Pool an internationalen Talenten. Diese Faktoren haben Berlin zu einem Magneten für kreative Köpfe aus aller Welt gemacht, besonders in Bereichen wie Fintech, Gesundheitstechnologie und nachhaltigen Mobilitätslösungen.
«Berlin hat alles, was eine erfolgreiche Startup-Metropole braucht«, erklärte Franziska Giffey, Senatorin für Wirtschaft, bei der Veranstaltung. «Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass unser Ökosystem weiter wachsen kann und auch in Krisenzeiten robust bleibt.»
Der Senat plant konkrete Maßnahmen, um die Gründungslandschaft zu stärken:
Eine zentrale Anlaufstelle für alle behördlichen Anliegen soll den Verwaltungsaufwand für Startups deutlich reduzieren. Gründer sollen künftig innerhalb von 72 Stunden alle notwendigen Genehmigungen erhalten können – ein ambitioniertes Ziel, das die Verwaltung vor erhebliche Herausforderungen stellt.
Zusätzlich werden die Förderprogramme für Frühphasen-Startups ausgeweitet. Der Senat stellt weitere 50 Millionen Euro für den «Berlin Startup Fund» bereit, der gezielt in Unternehmen in der kritischen Anfangsphase investiert. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Gründungen von Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund, die in der Startup-Szene noch unterrepräsentiert sind.
«Wir wollen, dass Berlin nicht nur die Startup-Hauptstadt Deutschlands bleibt, sondern zu den Top 3 in Europa aufsteigt«, sagte Wegner. «Dafür müssen wir bei der Digitalisierung der Verwaltung und der Bereitstellung von Wachstumskapital deutliche Fortschritte machen.»
Die Ankündigungen wurden von der Startup-Community überwiegend positiv aufgenommen. «Die Richtung stimmt, aber wir brauchen mehr Tempo bei der Umsetzung», kommentierte Sarah Müller, Gründerin eines Healthtech-Startups. «Gerade der Zugang zu Wachstumskapital in späteren Phasen bleibt für viele Berliner Startups eine Herausforderung.»
Experten sehen in der geplanten engeren Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft einen Schlüssel zum Erfolg. Die Berliner Universitäten und Forschungseinrichtungen sollen stärker in das Startup-Ökosystem eingebunden werden. «In erfolgreichen Tech-Hubs wie Boston oder dem Silicon Valley gibt es eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Gründern«, erklärte Professor Thomas Weber von der TU Berlin. «Dieses Potenzial müssen wir in Berlin noch besser nutzen.»
Ein weiterer Fokus liegt auf der Anwerbung internationaler Talente. Der Senat plant, die Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit zu intensivieren, um Fachkräfte für Berliner Startups zu gewinnen. Gleichzeitig soll das Angebot an englischsprachigen Verwaltungsdienstleistungen ausgebaut werden, um internationale Gründer nach Berlin zu locken.
Die Wohnraumsituation bleibt jedoch eine Herausforderung. «Wir verlieren Talente, weil sie keine bezahlbare Wohnung finden«, berichtete Markus Schmidt vom Startup-Verband. Der Senat versprach, dieses Problem anzugehen und mehr Wohnraum speziell für Fachkräfte zu schaffen.
Bei allen Bemühungen betonte Wegner die Bedeutung einer gemeinschaftlichen Anstrengung: «Der Senat kann Rahmenbedingungen verbessern, aber letztlich ist es das Zusammenspiel von Investoren, Hochschulen, etablierten Unternehmen und den Gründern selbst, das Berlin als Startup-Metropole voranbringt.»
Die nächsten Monate werden zeigen, ob die angekündigten Maßnahmen tatsächlich Wirkung entfalten. Für Berlin steht viel auf dem Spiel: Startups gelten als wichtige Innovationstreiber und Jobmotoren. Bereits heute beschäftigen sie in der Hauptstadt über 80.000 Menschen.
«In einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit sind innovative Startups wichtiger denn je«, schloss Wegner das Treffen. «Sie sind unser Weg in eine zukunftsfähige und wettbewerbsfähige Wirtschaft. Berlin hat das Potential, in der ersten Liga der globalen Startup-Metropolen mitzuspielen – lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dieses Potential voll auszuschöpfen.»