In der Berliner Innenstadt sorgt seit gestern eine ungewöhnliche Plakataktion für Aufsehen. Die Umweltorganisation Greenpeace hat an mehreren zentralen Stellen großformatige Werbeflächen mit Motiven beklebt, die eine verschneite Winterlandschaft zeigen. «Weiße Weihnacht in Berlin» prangt in großen Lettern auf den Plakaten – doch der idyllische Eindruck täuscht.
Bei genauerem Hinsehen erkennen Passanten, dass es sich nicht um Schnee handelt, sondern um Plastikmüll. Die weißen Plastikpartikel bedecken Tannen, Straßen und Dächer. Eine kleine Erläuterung am unteren Bildrand klärt auf: «So sieht unsere Zukunft aus, wenn wir jetzt nicht handeln. Mikroplastik verschmutzt bereits unsere Wälder, Flüsse und Meere.»
«Mit dieser Aktion wollen wir zum Nachdenken anregen», erklärt Lisa Müller, Sprecherin von Greenpeace Berlin. «Während viele sich eine weiße Weihnacht wünschen, möchten wir darauf aufmerksam machen, dass unsere Umwelt bereits jetzt mit Plastik überschwemmt wird – und das Problem nimmt stetig zu.»
Die Plakate wurden ohne behördliche Genehmigung angebracht. Das Berliner Ordnungsamt hat bereits angekündigt, die Aktion zu prüfen. Nach Angaben von Greenpeace sollen die Plakate jedoch nur für drei Tage hängen bleiben und dann fachgerecht entfernt werden.
Die Reaktionen der Berliner fallen gemischt aus. «Ich fand das Motiv erst richtig schön», sagt Anwohnerin Karin Schmidt. «Als ich dann verstand, worum es geht, war ich schockiert.» Student Felix Weber hingegen kritisiert: «Solche Guerilla-Aktionen mögen Aufmerksamkeit erregen, aber sie sind auch eine Form der Sachbeschädigung.»
Auf den sozialen Medien verbreitet sich die Aktion rasch. Unter dem Hashtag #PlastikWeihnacht teilen viele Berliner Fotos der Plakate. Greenpeace nutzt diese Reichweite und verweist auf ihre aktuelle Kampagne gegen Einwegplastik und Mikroplastik in der Umwelt.
Besonders der Zeitpunkt kurz vor Weihnachten ist bewusst gewählt. «In der Weihnachtszeit steigt der Plastikverbrauch durch Geschenkverpackungen, Dekoration und Einweggeschirr bei Feiern erheblich an», betont Müller. «Wir wollen zeigen, dass jeder durch bewussteren Konsum beitragen kann, dieses Problem zu verringern.»
Die Organisation hat zeitgleich eine Webseite freigeschaltet, auf der Tipps für ein nachhaltigeres Weihnachtsfest zu finden sind – von plastikfreier Dekoration bis hin zu umweltfreundlichem Geschenkpapier.
Ob die Aktion das gewünschte Umdenken bewirkt, bleibt abzuwarten. Fest steht: Über «weiße Weihnacht» wird in Berlin nun auf eine ganz andere Weise diskutiert.