Die Einladung lag gestern in meinem Briefkasten – nicht alltäglich. 200 zufällig ausgewählte Thüringer werden zum Bürgerrat «Frieden und Diplomatie» eingeladen. Ab März sollen wir gemeinsam über Außenpolitik nachdenken. Mitten in Zeiten, wo Kriegsnachrichten den Alltag prägen und diplomatische Bemühungen oft untergehen.
Der Bundestag hat dieses Experiment angestoßen. Menschen aus vier Regionen Deutschlands treffen sich, um über komplexe außenpolitische Fragen zu sprechen. Was bedeutet Friedenspolitik heute? Welche diplomatischen Wege sollte Deutschland beschreiten? Die Teilnehmer kommen aus allen Gesellschaftsschichten – vom Handwerker bis zur Rentnerin, vom Studenten bis zur Ärztin. «Wir wollen die Bürger direkt in die Gestaltung unserer Außenpolitik einbeziehen», erklärte die Bundestagspräsidentin bei der Vorstellung des Projekts.
Bei meiner letzten Lokalreportage traf ich Herrn Müller, pensionierter Lehrer. «Früher haben wir am Stammtisch über Fußball geredet, heute über Waffenlieferungen», sagte er nachdenklich. Diese Alltagsbeobachtung zeigt, wie sehr internationale Politik ins Private vorgedrungen ist.
Die Ergebnisse des Bürgerrats sollen direkt ins Parlament fließen. Ein demokratisches Experiment in unruhigen Zeiten. Vielleicht liegt gerade in dieser bürgernahen Herangehensweise eine Chance. Wenn Außenpolitik nicht nur in Berliner Hinterzimmern, sondern auch an Thüringer Küchentischen besprochen wird, könnte sie verständlicher und näher am Leben werden.