In Hamburgs Stadtentwicklung zeichnet sich ein bemerkenswerter Wandel ab. Gleich mehrere ambitionierte Projekte könnten das Gesicht der Hansestadt in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Besonders im Fokus stehen dabei die geplante Surfwelle an der Außenalster sowie ein dem New Yorker Vorbild nachempfundener High-Line-Park auf einer stillgelegten Bahntrasse.
Die Idee einer künstlichen Surfwelle mitten in der Stadt begeistert bereits jetzt viele Hamburger. «Wir wollen den Wassersport mitten in die Stadt bringen», erklärt Jan Hauser vom Verein «Hamburg Welle e.V.», der das Projekt seit drei Jahren vorantreibt. Der geplante Standort am Schwanenwik bietet ideale Bedingungen: ausreichend Platz, gute Erreichbarkeit und eine bereits vorhandene Infrastruktur.
Die etwa 1,50 Meter hohe stehende Welle würde durch ein ausgeklügeltes Pumpsystem erzeugt und könnte sowohl Anfängern als auch Fortgeschrittenen ein einzigartiges Surferlebnis bieten. «In München hat ein ähnliches Projekt den Eisbach zu einem internationalen Anziehungspunkt gemacht», so Hauser. «Hamburg hat mit der Alster einen noch größeren Trumpf.»
Gleichzeitig entwickelt sich die Vision einer Hamburger High Line. Nach dem Vorbild des erfolgreichen New Yorker Parks auf einer ehemaligen Hochbahntrasse plant die Initiative «Grünes Hamburg» die Umwandlung der stillgelegten Gütergleise zwischen Altona und dem Hauptbahnhof in einen urbanen Grünzug. Auf einer Strecke von etwa drei Kilometern soll ein erhöhter Park entstehen, der neue Perspektiven auf die Stadt eröffnet.
«Die alten Bahntrassen bieten ein enormes Potenzial», betont Stadtplanerin Maria Petersen. «Statt Brachen haben wir die Chance auf grüne Oasen mit einzigartigen Ausblicken auf unsere Stadt.» Die erhöhte Lage bietet nicht nur Schutz vor dem Straßenverkehr, sondern schafft auch neue Räume für Biodiversität.
Beide Projekte stoßen bei der Bevölkerung auf großes Interesse. Bei einer Umfrage der Universität Hamburg befürworteten 73 Prozent der Befragten die Surfwelle, für die High Line sprachen sich sogar 82 Prozent aus. Trotzdem gibt es Herausforderungen: Finanzierung, Lärmschutz und Naturschutzbelange müssen geklärt werden.
Die Stadt Hamburg zeigt sich grundsätzlich aufgeschlossen. «Wir begrüßen Initiativen, die unsere Stadt lebenswerter und attraktiver machen», erklärt Stadtentwicklungssenatorin Lena Schmidt. «Aber natürlich müssen solche Projekte sorgfältig geprüft werden.» Die Behörden arbeiten derzeit an einer Machbarkeitsstudie, die bis Ende nächsten Jahres vorliegen soll.
Kritische Stimmen kommen vor allem von Umweltschützern. «Eine künstliche Welle bedeutet erheblichen Energieverbrauch», gibt Umweltaktivist Thomas Weber zu bedenken. Die Initiatoren der Surfwelle versichern jedoch, dass das Projekt mit erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Für die High Line sehen Experten sogar positive Umwelteffekte durch mehr Stadtgrün und neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere.
Während die Planungen voranschreiten, wächst die Vorfreude bei vielen Hamburgern. «Das sind genau die innovativen Ideen, die eine moderne Stadt braucht», findet die 28-jährige Anwohnerin Sarah Müller. «Ich kann es kaum erwarten, mitten in der Stadt surfen zu gehen oder über den Dächern zu spazieren.»
Die Finanzierung bleibt für beide Projekte eine Herausforderung. Die Surfwelle würde nach aktuellen Schätzungen etwa 3,5 Millionen Euro kosten, für die High Line werden rund 15 Millionen Euro veranschlagt. Die Initiatoren setzen auf eine Mischfinanzierung aus öffentlichen Mitteln, Sponsoren und Crowdfunding.
Wenn alles nach Plan verläuft, könnte die Hamburger Alster-Surfwelle bereits 2026 die ersten Surfer anlocken. Die Realisierung der High Line wird mit fünf bis sieben Jahren veranschlagt. Beide Projekte könnten Hamburg nicht nur für Einheimische attraktiver machen, sondern auch neue Touristen in die Stadt locken.
«Mit diesen innovativen Projekten könnte Hamburg zeigen, wie moderne Stadtentwicklung aussehen kann», resümiert Stadtplanerin Petersen. «Wir nutzen vorhandene Strukturen neu und schaffen Orte, die Gemeinschaft, Natur und Bewegung in den Mittelpunkt stellen.»