Der große Showraum mit Spiegelwänden ist fast leer. Nur die Silhouetten zweier Tänzer sind zu erkennen, die konzentriert ihre Schritte perfektionieren. Es ist früher Abend in Düsseldorf, und Renata und Valentin Lusin nutzen die ruhigen Stunden für das Training. Lange bevor die TV-Kameras von «Let’s Dance» auf sie gerichtet waren, formte die rheinische Metropole das Leben und die Karriere des Tanzpaares.
«Düsseldorf ist unser Zuhause, unsere Basis», erklärt Renata Lusin mit einem warmen Lächeln. Die gebürtige Russin kam vor fast zwanzig Jahren in die Stadt am Rhein. Was als vorübergehender Aufenthalt gedacht war, entwickelte sich zur Heimat. Ihr Ehemann Valentin nickt zustimmend: «Die Stadt hat uns alles gegeben – beruflich wie privat.»
Die Lusins gehören heute zu den bekanntesten Gesichtern der RTL-Show «Let’s Dance». Millionen Fernsehzuschauer verfolgen, wie sie mit Prominenten über das Parkett schweben. Doch ihr Weg zur Tanzprominenz begann in den Trainingsräumen Düsseldorfer Tanzschulen.
Als junge Tänzerin kam Renata 2003 nach Deutschland. Die Tanzszene in Düsseldorf galt schon damals als exzellent. «Ich wollte mein Niveau verbessern und hatte gehört, dass die Trainer hier hervorragend sind», erinnert sie sich. Im TSC Düsseldorf fand sie nicht nur erstklassiges Training, sondern auch ihre Liebe: Valentin Lusin.
«Es war nicht Liebe auf den ersten Blick», lacht Valentin, der in Düsseldorf geboren und aufgewachsen ist. «Aber auf dem Tanzparkett hat es sofort zwischen uns gefunkt.» Aus Tanzpartnern wurden Lebenspartner. Die Stadt bot dem Paar beste Bedingungen für ihre Entwicklung.
Der TSC Düsseldorf in Lierenfeld wurde ihr zweites Wohnzimmer. Hier trainierten sie täglich stundenlang, feilten an Technik und Ausdruck. Die Hartnäckigkeit zahlte sich aus: 2010 wurden sie Deutscher Meister in den lateinamerikanischen Tänzen der Hauptgruppe S-Latein.
«In Düsseldorf herrscht eine besondere Tanzkultur», erklärt Valentin. «Die Nähe zu den Niederlanden und Belgien bringt internationale Einflüsse. Gleichzeitig pflegt man rheinische Traditionen.» Diese Mischung prägte den unverwechselbaren Stil der Lusins.
Renata ergänzt: «Die Düsseldorfer lieben Eleganz. Man sieht es an der Königsallee, an der Mode, am ganzen Lebensgefühl.» Diese Eleganz fließt in ihren Tanzstil ein – präzise, aber nie kühl, technisch perfekt, aber stets mit Emotion.
Neben dem Training verdiente das Paar seinen Lebensunterhalt mit Tanzunterricht. In verschiedenen Tanzschulen der Stadt gaben sie ihr Wissen weiter. «Das hat uns nicht nur finanziell geholfen, sondern auch menschlich», sagt Valentin. «Man lernt, Bewegungen zu erklären, Geduld zu haben, auf unterschiedliche Menschen einzugehen.»
Die Stadt bot mehr als nur berufliche Chancen. «In Düsseldorf haben wir unseren Freundeskreis aufgebaut, unsere wichtigsten Lebensentscheidungen getroffen», betont Renata. Auch nach dem Durchbruch bei «Let’s Dance» blieben sie der Stadt treu.
Ihre Verbindung zur lokalen Tanzszene pflegen sie bis heute. «Wir kommen immer wieder zurück, um mit dem Nachwuchs zu arbeiten», erklärt Valentin. Bei Workshops im TSC Düsseldorf geben sie ihre Erfahrungen weiter. «Es ist wichtig, etwas zurückzugeben.»
Der Japanische Garten im Nordpark ist einer ihrer Lieblingsorte. «Hier finden wir Ruhe, wenn der TV-Trubel zu viel wird», verrät Renata. Auch die Rheinuferpromenade nutzen sie gerne für Spaziergänge. «Man trifft immer nette Menschen, die uns ansprechen. Die Düsseldorfer sind stolz auf uns, das spüren wir.»
Der Erfolg bei «Let’s Dance» hat ihr Leben verändert. Seit 2018 gehören beide zum festen Profitänzerteam der Show. Valentin tanzte unter anderem mit Charlotte Würdig und Valentina Pahde, Renata mit Jimi Blue Ochsenknecht und Mathias Mester. Der Terminkalender ist voll mit Shows, Auftritten und Interviews.
Dennoch bleibt Düsseldorf ihr Anker. «Wenn wir von Drehs oder Tourneen zurückkommen, atmen wir auf», gesteht Valentin. «Hier sind wir nicht die TV-Stars, hier sind wir einfach wir selbst.» In ihrem Haus in einem ruhigen Stadtteil können sie abschalten.
Die Pandemie zwang das Paar, neue Wege zu gehen. Sie entwickelten Online-Tanzkurse und bauten ihre Social-Media-Präsenz aus. «In dieser schwierigen Zeit haben wir besonders gespürt, wie wichtig ein sicheres Zuhause ist», sagt Renata nachdenklich.
Für die Zukunft haben die Lusins klare Vorstellungen. Sie träumen von einer eigenen Tanzschule in Düsseldorf. «Ein Ort, an dem wir unsere Philosophie weitergeben können», erklärt Valentin. «Tanzen ist mehr als Sport oder Kunst. Es ist eine Lebenseinstellung.»
Die Stadt hat das Tanzpaar geprägt – und umgekehrt bereichern die Lusins die Düsseldorfer Tanzkultur. «Manchmal treffen wir junge Tänzer, die wegen uns nach Düsseldorf gekommen sind», berichtet Renata mit hörbarem Stolz. «Das berührt uns sehr.»
Nach dem Training packen Renata und Valentin ihre Taschen. Morgen steht ein Fernsehdreh in Köln an. Doch am Abend werden sie zurückkehren. Nach Düsseldorf, in ihre Heimat am Rhein, die sie zu den Tänzern und Menschen gemacht hat, die sie heute sind.