In der Dortmunder Innenstadt sorgte eine defekte Alarmanlage des Sportgeschäfts Decathlon an der Kampstraße für einen ungewöhnlichen Heiligabend. Seit den frühen Morgenstunden des 24. Dezember ertönte ein durchdringender Alarmton, der Anwohner und Passanten gleichermaßen belästigte.
„Seit etwa 6 Uhr morgens hören wir diesen penetranten Ton. Das ist kein Weihnachten, wie wir es uns vorgestellt haben», berichtet Anwohnerin Sabine Müller, die nur wenige Häuser entfernt wohnt. Der schrille Alarmton war in einem Umkreis von mehreren hundert Metern deutlich zu hören und störte die weihnachtliche Atmosphäre erheblich.
Mehrere betroffene Bürger alarmierten die Polizei, die gegen 10 Uhr am Vormittag vor Ort eintraf. „Wir haben zahlreiche Anrufe wegen der Lärmbelästigung erhalten», bestätigt Polizeisprecher Thomas Weber. „Leider gestaltete sich die Situation komplizierter als gedacht.»
Das Problem: Am Heiligabend war kein verantwortlicher Mitarbeiter des Sportgeschäfts erreichbar. Die Filiale hatte bereits am 23. Dezember um 14 Uhr für die Feiertage geschlossen. Die Beamten versuchten, über die Zentrale des Unternehmens einen Notdienst zu erreichen, was zunächst erfolglos blieb.
„Es ist wirklich ärgerlich, dass niemand zuständig sein will», empört sich Klaus Becker, der mit seiner Familie direkt gegenüber wohnt. „Wir konnten nicht einmal in Ruhe frühstücken. An Bescherung war in dieser Lautstärke kaum zu denken.»
Die Polizei konsultierte schließlich die Feuerwehr, die gegen 14 Uhr hinzugezogen wurde, um technische Lösungen zu prüfen. Nach einer Beratung mit der Einsatzleitung wurde jedoch entschieden, keine Zwangsmaßnahmen wie ein gewaltsames Öffnen des Geschäfts vorzunehmen, da dies unverhältnismäßig erschien.
„Wir verstehen den Unmut der Anwohner vollkommen», erklärt Einsatzleiter Michael Schmidt von der Feuerwehr. „Allerdings gibt es für solche Fälle klare Vorschriften. Ein Eingreifen unsererseits war rechtlich nicht ohne Weiteres möglich.»
Gegen 16 Uhr – zehn Stunden nach dem ersten Alarm – gelang es der Polizei endlich, einen Verantwortlichen des Unternehmens zu erreichen. Ein Techniker machte sich umgehend auf den Weg und konnte die Anlage gegen 17:30 Uhr abstellen.
Für die Anwohner kam die Ruhe zu spät, um den Heiligabend noch unbeschwert genießen zu können. „Das war eine Zumutung», findet Rentnerin Gerda Schröder, die seit über 30 Jahren in der Nähe wohnt. „In all den Jahren habe ich so etwas noch nicht erlebt.»
Die Stadt Dortmund prüft nun, ob gegen das Unternehmen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet werden kann. „Es ist die Pflicht jedes Betreibers einer Alarmanlage, im Störungsfall erreichbar zu sein», betont Ordnungsamtsleiter Stefan Keller. „Die Ruhezeiten an Feiertagen haben eine besondere Bedeutung.»
Decathlon selbst bedauerte den Vorfall auf Nachfrage. „Wir entschuldigen uns aufrichtig bei allen Betroffenen», erklärt Filialleiter Martin Weber. „Es handelte sich um einen technischen Defekt, der so nicht vorhersehbar war. Wir werden unsere Notfallpläne überarbeiten, um sicherzustellen, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt.»
Für die Zukunft plant die Stadt Dortmund, gemeinsam mit der IHK Informationen für Gewerbetreibende zu erarbeiten, wie im Falle von Alarmanlagenstörungen an Feiertagen zu verfahren ist. „Es kann nicht sein, dass ein ganzes Viertel unter solchen vermeidbaren Störungen leidet», so Bezirksbürgermeisterin Claudia Schneider.
Der Vorfall erinnert an ähnliche Fälle in anderen Städten. Erst im letzten Jahr hatte in Köln die Alarmanlage eines Elektronikmarktes drei Tage lang über Pfingsten durchgehend Alarm geschlagen, bevor ein Techniker die Anlage deaktivieren konnte.