Der Kulturzug zwischen Berlin und Wrocław (Breslau) hat seine letzte Fahrt absolviert. Nach acht Jahren erfolgreichen Betriebs wurde die beliebte Verbindung am vergangenen Wochenende eingestellt. Hunderte Stammgäste und Kulturinteressierte verabschiedeten sich bei der finalen Reise mit gemischten Gefühlen von dem einzigartigen Projekt, das weit mehr als nur ein Transportmittel war.
«Es ist ein trauriger Tag für die deutsch-polnische Kulturszene», sagte Monika Stefańska, eine regelmäßige Nutzerin des Zuges. «Der Kulturzug war nicht nur eine Verbindung zwischen zwei Städten, sondern eine Brücke zwischen zwei Kulturen.»
Seit 2016 pendelte der Zug an Wochenenden zwischen den beiden Metropolen und transportierte dabei nicht nur Passagiere, sondern auch Kunst, Musik und kulturellen Austausch. Mit über 120.000 beförderten Fahrgästen in seiner Laufzeit hatte sich der Kulturzug zu einem festen Bestandteil des grenzüberschreitenden Kulturlebens entwickelt.
Die Finanzierung des Projekts stellte letztlich das Hauptproblem dar. Trotz steigender Fahrgastzahlen konnten die jährlichen Kosten von rund 800.000 Euro nicht mehr gestemmt werden. Die Landesregierung Brandenburg und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) hatten bereits im Frühjahr angekündigt, die Förderung nicht fortzusetzen.
Bei der letzten Fahrt verwandelte sich der Zug noch einmal in eine rollende Kulturstätte. Musiker spielten in den Abteilen, Künstler stellten ihre Werke aus, und ein Improvisationstheater sorgte für Unterhaltung. Die besondere Atmosphäre, die den Kulturzug auszeichnete, war bis zur letzten Minute spürbar.
«Was hier entstanden ist, geht weit über einen normalen Zugverkehr hinaus», erklärte Thomas Weber vom Kulturverein Berlin-Wrocław. «Der Zug war ein Ort der Begegnung, an dem Menschen ins Gespräch kamen und Vorurteile abgebaut wurden.»
Die Strecke zwischen Berlin und Wrocław bleibt zwar weiterhin durch reguläre Verbindungen bedient, aber die kulturelle Komponente fällt nun weg. Normale Regionalzüge verkehren täglich, benötigen jedoch meist einen Umstieg und bieten nicht das besondere Programm des Kulturzuges.
Städtepartnerschaftsvertreter beider Städte bedauerten die Einstellung. «Der Kulturzug hat maßgeblich dazu beigetragen, die Beziehungen zwischen unseren Städten zu vertiefen», sagte Anna Kowalska von der Stadtverwaltung Wrocław. «Wir werden nach alternativen Wegen suchen, um den kulturellen Austausch fortzusetzen.»
Einige Fahrgäste haben bereits eine Initiative gegründet, um für eine Neuauflage des Projekts zu kämpfen. Sie sammeln Unterschriften und suchen nach potenziellen Sponsoren. «Der Kulturzug war ein Vorzeigeprojekt für die europäische Integration im Kleinen», betonte Initiator Martin Schmidt. «So etwas darf nicht einfach verschwinden.»
Kulturschaffende aus beiden Ländern diskutieren bereits über alternative Formate, um den kulturellen Austausch zwischen den Nachbarstädten aufrechtzuerhalten. Festivals, Austauschprogramme und gemeinsame Kulturprojekte sollen die entstandene Lücke füllen.
Die letzte Fahrt des Kulturzuges endete mit einem gemeinsamen deutsch-polnischen Lied am Breslauer Hauptbahnhof. Viele Passagiere hatten Tränen in den Augen, als der Zug zum letzten Mal in den Bahnhof einfuhr.
«Dieser Zug hat gezeigt, wie einfach Völkerverständigung sein kann», resümierte eine Rentnerin aus Berlin, die die Verbindung regelmäßig nutzte. «Manchmal braucht es nicht viel mehr als eine gemeinsame Reise und etwas Musik.»