Die Wetterlage in Berlin und Brandenburg spitzt sich weiter zu. Nach den ersten gefährlichen Glatteis-Ereignissen der vergangenen Tage warnen Meteorologen nun erneut eindringlich vor extremer Eisglätte in der gesamten Region. «Was da auf uns zukommt, ist wirklich besorgniserregend», erklärt Wetterexperte Karsten Schmidt vom Deutschen Wetterdienst (DWD).
Die aktuelle Wetterkonstellation sei besonders tückisch, da gefrierender Regen auf bereits unterkühlte Oberflächen trifft. «Wir erwarten eine gefährliche Mischung aus Schnee, Eisregen und gefrierendem Nebel, die Straßen und Gehwege in regelrechte Rutschbahnen verwandeln wird», so Schmidt. Die Temperaturen werden knapp um den Gefrierpunkt pendeln, was die Situation zusätzlich verschärft.
Besonders kritisch wird die Lage in den frühen Morgenstunden und nach Sonnenuntergang eingeschätzt. Der DWD hat daher eine amtliche Unwetterwarnung für Berlin und weite Teile Brandenburgs herausgegeben, die mindestens bis zum übernächsten Tag gilt.
Die Berliner Stadtreinigung (BSR) arbeitet bereits auf Hochtouren. «Unsere Streufahrzeuge sind seit gestern Abend durchgehend im Einsatz», bestätigt BSR-Sprecherin Sabine Thiele. Trotz aller Bemühungen könne man jedoch nicht garantieren, dass alle Straßen rechtzeitig geräumt werden. «Wir konzentrieren uns zunächst auf Hauptverkehrsadern und wichtige Zufahrtswege zu Krankenhäusern.»
Die BVG hat auf die extreme Wetterlage reagiert und lässt ihre Busse auf gefährdeten Strecken langsamer fahren. «Die Sicherheit unserer Fahrgäste und unseres Personals hat absolute Priorität», erklärt BVG-Betriebsleiter Marcus Weber. Verspätungen seien unvermeidbar, einige Linien könnten bei Verschärfung der Lage komplett eingestellt werden.
In den Berliner Krankenhäusern bereitet man sich bereits auf zahlreiche Glatteis-Opfer vor. «Nach den Erfahrungen der vergangenen Tage haben wir zusätzliches Personal in die Notaufnahmen beordert», sagt Dr. Claudia Richter von der Charité. Bereits am Wochenende verzeichneten die Kliniken einen deutlichen Anstieg an Knochenbrüchen und Prellungen durch Stürze auf vereisten Flächen.
Für die Bewohner der Region gibt es klare Handlungsempfehlungen: «Vermeiden Sie unnötige Wege, tragen Sie geeignetes Schuhwerk und planen Sie mehr Zeit für notwendige Fahrten ein», rät Katastrophenschutz-Koordinator Michael Fröhlich. Besonders ältere Menschen sollten äußerst vorsichtig sein oder im Zweifelsfall zu Hause bleiben.
Die Polizei hat bereits zahlreiche Unfälle registriert und bittet Autofahrer, nur bei absoluter Notwendigkeit zu fahren. «Wir haben allein in der Nacht 27 glättebedingte Unfälle aufgenommen, glücklicherweise meist mit Blechschäden», berichtet Polizeisprecher Thomas Krüger. Auf den Autobahnen rund um Berlin wurden bereits Geschwindigkeitsbegrenzungen eingerichtet.
Auch für Fußgänger ist die Situation gefährlich. «Selbst freigeräumte Gehwege können durch überfrierende Nässe blitzschnell wieder vereisen», warnt Schmidt vom DWD. Er empfiehlt, immer einen Meter vor die eigenen Füße zu schauen und kleine, rutschfeste Schritte zu machen. Die Streudienste konzentrieren sich auf Hauptwege, viele Nebenstraßen bleiben zunächst unbehandelt.
Schulen und Kitas bleiben vorerst geöffnet, allerdings empfiehlt die Senatsverwaltung für Bildung, individuelle Entscheidungen zu treffen. «Eltern können selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken oder nicht», erklärt Bildungssenatorin Sandra Müller. Der versäumte Unterricht werde nicht als Fehlzeit gewertet.
Winterdienst-Koordinator Peter Lehmann bittet um Verständnis: «Trotz aller Vorbereitungen können wir bei flächendeckendem Blitzeis nicht sofort überall sein. Bitte unterstützen Sie uns, indem Sie verantwortungsvoll handeln und Ihre Gehwege nach Möglichkeit selbst streuen.»
Meteorologe Schmidt gibt einen vorsichtigen Ausblick: «Erst ab Donnerstag rechnen wir mit einer leichten Entspannung der Lage, wenn die Temperaturen etwas ansteigen sollten.» Bis dahin gelte höchste Vorsicht auf Berlins und Brandenburgs Straßen und Wegen.