Es geschieht in Sekundenbruchteilen. Der dumpfe Knall, das gleißende Licht, die Druckwelle. Wieder hat eine Kugelbombe ihr verheerendes Potenzial entfaltet. Was in Berlin zum Tod eines jungen Mannes führte, wirft erneut Fragen zur Silvestersicherheit auf. Der gefährliche Mix aus Alkohol, Gruppendynamik und illegaler Pyrotechnik fordert jährlich seine Opfer.
Die sogenannten Kugelbomben sind besonders tückisch. «Diese Sprengkörper entwickeln eine enorme Kraft, die mit legalen Feuerwerkskörpern nicht vergleichbar ist», erklärt Sprengstoffexperte Michael Heller. Meist aus Polen oder Tschechien eingeschmuggelt, fehlen ihnen sämtliche Sicherheitsstandards. Sie explodieren unvermittelt, oft schon beim Anzünden. Die Druckwelle kann Gliedmaßen abreißen, Metallsplitter durchbohren Körper.
Letzten Silvester erlebte ich selbst den Leichtsinn auf Berlins Straßen. Ein junger Mann warf eine Kugelbombe wie einen harmlosen Knaller. Sekunden später kauerte er schreiend am Boden. Die Sanitäter kamen gerade noch rechtzeitig.
Die Politik diskutiert nun erneut über Verbotszonen und strengere Kontrollen. Doch das Problem liegt tiefer. Solange der Reiz des Verbotenen und die Suche nach dem ultimativen Kick bestehen, werden gefährliche Böller ihren Weg in die Silvesternacht finden. Was als Feier des Neubeginns gedacht ist, wird so für manche zur letzten Nacht ihres Lebens.