Im morgendlichen Berufsverkehr kam es gestern zu einem Zusammenstoß zwischen einer Straßenbahn der Linie 715 und einem Lastkraftwagen an der Kreuzung Corneliusstraße/Fürstenwall. Der Unfall ereignete sich gegen 8:30 Uhr und führte zu erheblichen Verkehrsbehinderungen im Stadtteil Friedrichstadt.
Nach ersten Ermittlungen der Polizei wollte der 42-jährige LKW-Fahrer von der Corneliusstraße nach links auf den Fürstenwall abbiegen. Dabei übersah er offenbar die Straßenbahn, die in gleicher Richtung unterwegs war. «Der Fahrer hat vermutlich nicht auf die Ampelschaltung geachtet«, erklärte Polizeisprecherin Martina Weber vor Ort.
Bei dem Zusammenstoß wurde der LKW-Fahrer leicht verletzt. Sanitäter behandelten ihn zunächst vor Ort, anschließend kam er zur weiteren Untersuchung ins Florence-Nightingale-Krankenhaus. Die zwölf Fahrgäste in der Straßenbahn sowie der Straßenbahnfahrer blieben unverletzt, standen jedoch unter Schock.
Die Rheinbahn richtete umgehend einen Ersatzverkehr mit Bussen ein. «Die Linie 715 wurde zwischen Heinrich-Heine-Allee und Südpark umgeleitet«, teilte Rheinbahn-Sprecher Thomas Müller mit. Techniker der Rheinbahn untersuchten die beschädigte Straßenbahn noch am Unfallort. Der vordere Bereich der Bahn wurde stark beschädigt, die Schäden werden auf etwa 75.000 Euro geschätzt.
Der Unfall hatte weitreichende Auswirkungen auf den Verkehr in der Innenstadt. Die Kreuzung Corneliusstraße/Fürstenwall blieb für die Unfallaufnahme und Bergungsarbeiten bis 11:15 Uhr gesperrt. Dies führte zu Staus, die sich bis zum Graf-Adolf-Platz und zur Berliner Allee erstreckten. Viele Pendler kamen mit erheblicher Verspätung zur Arbeit.
«Ich stand fast eine Stunde im Stau«, berichtete die 36-jährige Anwohnerin Claudia Becker. «Es ist nicht der erste Unfall an dieser Kreuzung. Viele Autofahrer unterschätzen, wie schnell die Straßenbahnen hier unterwegs sind.»
Die Stadtverwaltung hat in den vergangenen Jahren bereits mehrere Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit an dieser Unfallschwerpunkt-Kreuzung zu verbessern. So wurden die Ampelschaltungen angepasst und zusätzliche Warnschilder installiert. Dennoch kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen zwischen Straßenbahnen und dem Individualverkehr.
Verkehrsexperte Prof. Michael Schneider von der Hochschule Düsseldorf sieht Handlungsbedarf: «An Kreuzungen mit Straßenbahnverkehr müssen wir die Wahrnehmbarkeit der Bahnen weiter verbessern. Akustische Signale und bessere Sichtachsen könnten helfen, solche Unfälle zu vermeiden.»
Die Polizei Düsseldorf nimmt den Vorfall zum Anlass, alle Verkehrsteilnehmer zu erhöhter Aufmerksamkeit im Straßenbahnbereich aufzurufen. «Straßenbahnen haben immer Vorrang und einen langen Bremsweg. Diese Tatsache wird leider oft unterschätzt», betonte Polizeisprecherin Weber.
Der reguläre Straßenbahnbetrieb der Linie 715 konnte am Mittag wieder aufgenommen werden. Die Ermittlungen zur genauen Unfallursache dauern an.