In Hamburg-Barmbek sorgt eine ältere Dame für herzerwärmende Begegnungen. Die 85-jährige Christel Ahrens hat eine besondere Mission: Sie möchte jenen Menschen danken, die oft übersehen werden, aber unseren Alltag am Laufen halten.
Mit selbstgebackenen Keksen im Gepäck macht sich die Rentnerin regelmäßig auf den Weg durch ihr Viertel. Ihre Ziele: Busfahrer, Briefträger, Reinigungskräfte und viele andere, die täglich wichtige Dienste leisten. «Diese Menschen verdienen mehr Anerkennung», erklärt Christel mit einem warmen Lächeln. «Ein kleines Dankeschön kann den ganzen Tag verändern.»
Die Idee kam ihr vor etwa zwei Jahren, als sie bemerkte, wie anstrengend der Alltag vieler Dienstleister sein muss. Besonders während der Corona-Zeit fühlte sie mit den Menschen, die trotz aller Schwierigkeiten ihre Arbeit fortsetzten. «Damals habe ich angefangen, für meinen Briefträger zu backen. Die Freude in seinen Augen hat mich so berührt, dass ich weitermachen wollte», erinnert sich Christel.
Inzwischen kennt man die kleine Frau mit den freundlichen Augen und der Keksdose in der Hand in ganz Barmbek. Busfahrer freuen sich schon, wenn sie an der Haltestelle wartet. «Frau Ahrens macht meinen Tag besser», sagt Busfahrer Michael Schmidt. «Manchmal ist der Verkehr stressig, die Fahrgäste sind ungeduldig – aber wenn Christel einsteigt und mir ihre Kekse gibt, ist alles wieder gut.»
Was als kleine Geste begann, hat mittlerweile größere Kreise gezogen. Nachbarn sprechen Christel an, lokale Geschäfte spenden gelegentlich Zutaten für ihre Backwaren. «Ich bin überwältigt von der Unterstützung», sagt sie bescheiden. «Dabei mache ich doch nur, was selbstverständlich sein sollte.»
Die Wirkung ihrer Dankesaktion geht weit über die Freude an Süßigkeiten hinaus. «Es geht um Wertschätzung», erklärt Sozialwissenschaftlerin Dr. Petra Müller. «Was Frau Ahrens tut, stärkt den sozialen Zusammenhalt in einer Zeit, in der viele Menschen sich nicht mehr wahrgenommen fühlen.»
Für die Menschen, die Christels Kekse erhalten, bedeutet die Geste mehr als nur eine süße Pause. «Es zeigt mir, dass jemand sieht, was ich tue», sagt Reinigungskraft Ayşe Yilmaz. «Manchmal fühlt man sich unsichtbar in diesem Job. Aber Frau Ahrens sieht uns.»
Auch in ihrem Wohnhaus ist Christel für ihre Herzlichkeit bekannt. Nachbarin Elke Schröder berichtet: «Sie hat ein offenes Ohr für jeden. Und ihre Butterplätchen sind die besten in ganz Hamburg!»
Christel selbst bleibt trotz aller Anerkennung bescheiden. Auf die Frage, warum sie sich diese Mühe macht, antwortet sie mit einem Augenzwinkern: «Ich bin 85 Jahre alt – was soll ich sonst mit meiner Zeit anfangen? Außerdem macht es mich glücklich. Wenn ich sehe, wie sich jemand über meine Kekse freut, fühle ich mich reich beschenkt.»
Die rüstige Rentnerin hat nicht vor, ihre Dankesaktion in naher Zukunft einzustellen. «Solange meine Beine mich tragen und meine Hände den Teig kneten können, werde ich weitermachen», verspricht sie. Ihr nächstes Projekt: spezielle Weihnachtskekse für die Feuerwehrleute und Sanitäter in der Nachbarschaft.
Christels Geschichte erinnert daran, dass Dankbarkeit keine Frage des Alters oder großer Gesten ist. Manchmal braucht es nur eine Tüte selbstgebackener Kekse und ein herzliches «Danke», um den Alltag ein wenig heller zu machen – für alle Beteiligten.