Der Moment, wenn der Himmel zum Jahreswechsel leuchtet, hat für viele seinen Reiz verloren. Stattdessen wächst die Forderung nach einem generellen Böllerverbot zu Silvester. Die beeindruckende Zahl von 2,7 Millionen Unterzeichnern einer entsprechenden Petition zeigt: Was früher als festliche Tradition galt, wird heute zunehmend kritisch hinterfragt.
«Die Zeit ist reif für ein Umdenken», erklärt Tierschützerin Pauline Weber, die ich bei einer Demonstration traf. «Wir sehen jedes Jahr die gleichen Bilder: verängstigte Tiere, überfüllte Notaufnahmen, Müllberge und Rauchschwaden.» In meinem eigenen Wohnviertel erlebte ich letztes Silvester, wie ein Hund panisch an seiner Leine zerrte, während Böller um uns herum explodierten.
Die Argumente der Petitions-Unterstützer sind vielfältig. Tierschutz steht an erster Stelle, gefolgt von Umweltbedenken durch Feinstaub und Plastikmüll. Auch die Belastung für Rettungsdienste und Krankenhäuser wird angeführt. In meinen Gesprächen mit Ärzten höre ich regelmäßig von vermeidbaren Verletzungen in der Silvesternacht.
Befürworter des Feuerwerks hingegen verteidigen die Tradition als kulturelles Erbe und persönliche Freiheit. Die Branche betont zudem wirtschaftliche Aspekte und Arbeitsplätze.
Während die Politik noch zögert, zeigt die wachsende Unterschriftenzahl: Der gesellschaftliche Wandel ist bereits im Gang. Vielleicht erleben wir bald ein Silvester, bei dem wir das neue Jahr ohne Knalleffekt, aber mit mehr Rücksicht begrüßen. Manche Traditionen verändern sich eben – manchmal zum Besseren.