In einem Mehrfamilienhaus in Düsseldorf-Flingern kam es am Sonntag zu einer schweren Gewalttat. Ein 16-jähriger Jugendlicher steht unter Verdacht, eine 45-jährige Frau in ihrer Wohnung lebensgefährlich verletzt zu haben. Die Polizei konnte den Tatverdächtigen noch am Tatort festnehmen.
Der Vorfall ereignete sich am Sonntagvormittag gegen 11:30 Uhr in einem Wohnhaus an der Krahestraße im beliebten Stadtteil Flingern-Nord. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler soll der Jugendliche bei der Frau geklingelt haben. Als sie die Tür öffnete, drang der 16-Jährige in die Wohnung ein und griff die Bewohnerin mit einem scharfen Gegenstand an.
Nachbarn hörten die Hilfeschreie der Frau und alarmierten sofort den Notruf. «Die Schreie waren durch das ganze Treppenhaus zu hören», berichtet ein Anwohner, der anonym bleiben möchte. «Es war erschreckend.»
Die Einsatzkräfte trafen schnell am Tatort ein und konnten den mutmaßlichen Täter noch in der Wohnung festnehmen. Der Jugendliche leistete dabei keinen Widerstand. Das Opfer erlitt schwerste Verletzungen und schwebte zunächst in Lebensgefahr. Rettungskräfte brachten die 45-Jährige umgehend in ein nahegelegenes Krankenhaus, wo sie notoperiert wurde. Laut aktuellen Informationen hat sich ihr Zustand mittlerweile stabilisiert.
Die Düsseldorfer Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen. «Wir gehen aktuell von einem versuchten Tötungsdelikt aus», erklärte Polizeisprecher Andreas Czogalla. «Die genauen Hintergründe der Tat sind derzeit noch unklar und Gegenstand intensiver Ermittlungen.»
Nach bisherigen Erkenntnissen kannten sich Täter und Opfer nicht. Die Ermittler versuchen nun herauszufinden, ob der Angriff gezielt war oder ob die Frau ein Zufallsopfer wurde. Eine Mordkommission unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Düsseldorf wurde eingerichtet.
Die Gewalttat hat im Viertel für Beunruhigung gesorgt. Flingern, ein ehemaliges Arbeiterviertel, hat sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Wohngebiet mit vielen Cafés und Kunstgalerien entwickelt. «So etwas haben wir hier noch nie erlebt», sagt Marion Keller, die seit über 20 Jahren in der Nachbarschaft wohnt. «Gerade in einem Haus, wo man sich kennt und grüßt, ist das besonders erschreckend.»
Die zuständige Bezirksbürgermeisterin Marina Spillner zeigte sich bestürzt: «Diese Tat macht uns alle betroffen. Unsere Gedanken sind bei dem Opfer und ihren Angehörigen.» Sie kündigte an, dass das Thema Sicherheit bei der nächsten Bezirksvertretungssitzung besprochen werden soll.
Der 16-jährige Tatverdächtige wurde am Montag einem Haftrichter vorgeführt, der Untersuchungshaft anordnete. Da es sich um einen Jugendlichen handelt, gelten besondere Schutzvorschriften. Über seine Identität und mögliche Vorstrafen macht die Polizei daher keine Angaben.
Experten für Jugendkriminalität weisen darauf hin, dass schwere Gewalttaten durch Minderjährige zwar medial große Aufmerksamkeit erregen, statistisch aber selten sind. «Bei solchen Fällen ist es wichtig, genau hinzuschauen, welche Faktoren zur Tat geführt haben könnten», erklärt Sozialpsychologin Dr. Heike Mentzel von der Heinrich-Heine-Universität. «Oft spielen komplexe persönliche Probleme, Gewalterfahrungen oder psychische Erkrankungen eine Rolle.»
Die Polizei bittet Zeugen, die am Sonntagvormittag im Bereich der Krahestraße verdächtige Beobachtungen gemacht haben, sich unter der Rufnummer 0211-8700 zu melden. Jede Information könnte für die Aufklärung des Falls wichtig sein.
Für Anwohner, die durch das Ereignis verunsichert sind, bietet die Stadt Düsseldorf eine psychosoziale Beratung an. Die Polizei hat zudem angekündigt, ihre Präsenz im Viertel vorübergehend zu verstärken, um das Sicherheitsgefühl der Bewohner zu stärken.