Ein kräftiger Wintereinbruch hat Hamburg fest im Griff. In der Nacht zum Mittwoch fielen die ersten Schneeflocken des neuen Jahres 2024 in der Hansestadt. Für viele Hamburger erfüllte sich damit endlich der Wunsch nach einer weißen Winterlandschaft – doch der Winterzauber bringt auch erhebliche Herausforderungen mit sich.
Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) haben für Hamburg und das Umland eine amtliche Unwetterwarnung herausgegeben. Bis Donnerstagabend müssen die Hamburger mit anhaltenden Schneefällen und teilweise starken Sturmböen rechnen. In einigen Stadtteilen wurden bereits bis zu 10 Zentimeter Neuschnee gemessen, wie die Messstation in Hamburg-Fuhlsbüttel mitteilt.
«Mit dieser Intensität haben wir den ersten echten Wintereinbruch seit fast drei Jahren», erklärt Meteorologin Anja Weber vom DWD. «Die Kombination aus Schnee und stürmischem Wind sorgt für besonders gefährliche Bedingungen auf den Straßen.»
Die Hamburger Stadtreinigung (SRH) ist seit den frühen Morgenstunden im Dauereinsatz. Rund 725 Mitarbeiter mit 350 Fahrzeugen räumen und streuen die Hauptverkehrsadern, Buslinien und wichtigsten Radwege. «Wir arbeiten auf Hochtouren, aber bei anhaltendem Schneefall ist es kaum möglich, überall gleichzeitig zu sein», sagt SRH-Sprecher Andreas Hartmann. Er bittet die Hamburger um Verständnis und Geduld.
Im öffentlichen Nahverkehr kommt es zu erheblichen Beeinträchtigungen. Die Hochbahn meldet Verspätungen auf allen Buslinien, einige Strecken mussten vorübergehend eingestellt werden. Besonders betroffen sind die Buslinien in den höher gelegenen Stadtteilen wie den Harburger Bergen und in Blankenese. Die U-Bahnen fahren zwar, jedoch mit deutlichen Verzögerungen. «Bitte planen Sie mehr Zeit für Ihre Fahrten ein und prüfen Sie vor Fahrtantritt die aktuelle Situation», empfiehlt der HVV.
Auch auf den Straßen herrscht Chaos. Die Polizei Hamburg meldete bis zum Mittag bereits über 45 witterungsbedingte Verkehrsunfälle, glücklicherweise meist mit Blechschäden. Auf der A7 bei Hamburg-Stellingen kam es am frühen Morgen zu einem Auffahrunfall mit drei beteiligten Fahrzeugen, der eine zweistündige Sperrung nach sich zog.
«Wir raten dringend dazu, nur unbedingt notwendige Fahrten zu unternehmen», betont Polizeisprecherin Sandra Levgrün. «Wer fahren muss, sollte unbedingt mit Winterreifen unterwegs sein, ausreichend Abstand halten und die Geschwindigkeit deutlich reduzieren.»
Für Kinder und Winterfans bietet der Schnee natürlich auch Freude. In den Parks der Stadt sind bereits zahlreiche Schneemänner entstanden, und auf dem Elbhang in Blankenese tummelten sich am Vormittag die ersten Rodler. «So viel Schnee hatten wir ewig nicht mehr. Meine Kinder konnten es kaum erwarten, ihre Schlitten auszupacken», freut sich Anwohnerin Sabine Müller.
Schulen und Kitas bleiben geöffnet, allerdings rät die Schulbehörde Eltern, ihre Kinder nur bei sicherem Schulweg zur Schule zu schicken. Bei Zweifeln könne individuell entschieden werden, die Kinder zu Hause zu lassen. Die Anwesenheitspflicht ist vorübergehend ausgesetzt.
Besondere Sorge gilt den Obdachlosen in der Stadt. Die Sozialbehörde hat das Winternotprogramm aufgestockt. «Wir haben zusätzliche Schlafplätze in den Notunterkünften geschaffen», erklärt Sozialsenatorin Melanie Leonhard. Das Winternotprogramm bietet nun insgesamt 800 Schlafplätze. Zusätzlich sind Kältebusse unterwegs, um obdachlose Menschen anzusprechen und ihnen Hilfe anzubieten.
Der Hamburger Flughafen meldet erhebliche Einschränkungen. Bislang mussten 37 Flüge gestrichen werden, bei vielen weiteren kommt es zu Verspätungen. Passagiere werden gebeten, sich vor der Anreise zum Flughafen über den Status ihres Fluges zu informieren.
Für die kommenden Tage sagt der DWD eine Fortsetzung des winterlichen Wetters voraus. «Die Schneefälle sollten am Donnerstagabend nachlassen, doch die Temperaturen bleiben bis mindestens Sonntag im Bereich um den Gefrierpunkt», so DWD-Meteorologin Weber. «Autofahrer müssen auch in den nächsten Tagen mit Glätte rechnen.»
Die Feuerwehr Hamburg gibt praktische Tipps: «Befreien Sie Gehwege vor Ihrem Haus von Schnee und Eis. Achten Sie auf ältere Nachbarn und helfen Sie ihnen bei Bedarf. Halten Sie Hydranten von Schnee frei, damit wir im Notfall schnellen Zugang haben.» Außerdem sollten Hamburger darauf achten, dass Dachrinnen nicht durch Eis blockiert werden.
Trotz aller Herausforderungen zeigen sich viele Hamburger erfreut über den winterlichen Anblick ihrer Stadt. «Hamburg im Schnee hat einen ganz besonderen Charme», meint der Fotograf Thomas Schmidt, der am Morgen die verschneite Alster ablichtete. «Die weiße Pracht verwandelt selbst die Landungsbrücken in eine romantische Winterkulisse.»
Wer den Schnee genießen möchte, sollte die nächsten zwei Tage nutzen. Ab Sonntag rechnet der DWD mit steigenden Temperaturen und Regen, was den Schnee schnell schmelzen lassen dürfte.