Der erste Schnee tanzt durch die hessischen Straßen, und schon herrscht das alljährliche Verkehrschaos. Gestern verwandelte sich unsere Landschaft in eine weiße Pracht, doch die winterliche Idylle brachte auch ihre Schattenseiten. Landesweit zählte die Polizei Dutzende Unfälle auf glatten Straßen, besonders im Nord- und Osthessen.
Die A7 bei Bad Hersfeld wurde kurzzeitig zur Rutschbahn. Mehrere Fahrzeuge kamen ins Schleudern, zum Glück meist ohne schwere Folgen. In Kassel strandeten Busse an steilen Hängen, während in Frankfurt der Nahverkehr mit Verspätungen kämpfte. «Der erste Schnee trifft uns immer unvorbereitet, obwohl wir jedes Jahr damit rechnen müssten,» seufzt Verkehrspsychologe Dr. Martin Weber.
Ich selbst brauchte gestern für meine übliche 20-Minuten-Strecke zur Redaktion fast eine Stunde. Auf dem Weg half ich einer älteren Dame, die mit Einkaufstaschen auf spiegelglattem Gehweg ausgerutscht war. Überall sah man Menschen, die sich vorsichtig vorantasteten oder hilfreich unter die Arme griffen.
Interessant ist, wie dieser erste Schnee uns gesellschaftlich verbindet. Fremde kommen ins Gespräch, teilen Erfahrungen am Bahnsteig oder schieben gemeinsam festgefahrene Autos frei. Der Wintereinbruch offenbart unsere Verletzlichkeit, aber auch unsere Fähigkeit zur spontanen Gemeinschaft. Vielleicht sollten wir diese Solidarität nicht nur bei Schnee und Eis pflegen.