Ein plötzlicher Stromausfall legte gestern große Teile des Berliner Stadtteils Lichterfelde lahm. Rund 7.000 Haushalte waren betroffen, als gegen 14:30 Uhr die Lichter ausgingen. Die Störung dauerte mehrere Stunden und beeinträchtigte nicht nur Privathaushalte, sondern auch Geschäfte, Ampeln und öffentliche Einrichtungen.
Nach Angaben des Netzbetreibers Stromnetz Berlin führte ein Kabeldefekt im unterirdischen Mittelspannungsnetz zur weitreichenden Störung. «Ein solcher Defekt kann verschiedene Ursachen haben – von Materialermüdung bis zu Beschädigungen durch Bauarbeiten. In diesem Fall untersuchen unsere Techniker noch die genaue Ursache», erklärte Unternehmenssprecherin Lisa Müller.
Die Auswirkungen waren im Alltag vieler Anwohner deutlich spürbar. Supermärkte mussten vorübergehend schließen, Kühlgeräte fielen aus, und an einigen Kreuzungen kam es zu Verkehrsbehinderungen durch ausgefallene Ampeln. Die Berliner Polizei verstärkte ihre Präsenz im betroffenen Gebiet, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.
«Ich wollte gerade einen wichtigen Arbeitstermin per Videokonferenz wahrnehmen, als plötzlich alles dunkel wurde», berichtete Anwohnerin Sabine Krüger (42). «Da merkt man erst, wie abhängig wir vom Strom sind. Nicht mal Kaffee kochen war möglich.»
Besonders betroffen waren ältere Menschen, die in höheren Stockwerken wohnen. Der 78-jährige Horst Meier aus der Drakestraße erzählte: «Ich wohne im sechsten Stock. Ohne Aufzug ist das für mich mit meinem künstlichen Kniegelenk kaum zu bewältigen. Zum Glück haben Nachbarn mir Wasser und das Nötigste hochgebracht.»
Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf richtete zusammen mit dem Katastrophenschutz eine temporäre Notfallstation im Lichterfelder Gemeindehaus ein. Dort konnten Anwohner Handys aufladen, Informationen erhalten und bei Bedarf medizinische Hilfe bekommen.
Die Techniker von Stromnetz Berlin arbeiteten mit Hochdruck an der Behebung des Problems. «Wir mussten zunächst die genaue Stelle des Defekts lokalisieren, was bei unterirdischen Kabeln eine Herausforderung darstellt», erklärte Einsatzleiter Thomas Schmidt. «Danach konnten wir die Stromversorgung schrittweise über Umleitungen im Netz wiederherstellen.»
Gegen 19:45 Uhr – also nach mehr als fünf Stunden – waren die meisten Haushalte wieder am Netz. Einige wenige Straßenzüge mussten allerdings bis in die späten Abendstunden warten.
Nach Angaben der Berliner Feuerwehr gab es während des Stromausfalls keine größeren Notfälle. «Wir hatten einige Einsätze, um Menschen aus steckengebliebenen Aufzügen zu befreien, aber zum Glück keine schwerwiegenden Vorfälle», sagte Feuerwehrsprecher Kai-Uwe Hensen.
Der gestrige Stromausfall war nicht der erste in diesem Jahr in Berlin. Im Februar waren Teile von Köpenick für mehrere Stunden ohne Strom, im März traf es Bereiche von Marzahn. Experten sehen einen Zusammenhang mit der alternden Infrastruktur in manchen Stadtteilen.
Bezirksstadträtin Dr. Cerstin Klein kündigte an, dass das Thema Stromausfälle und deren Bewältigung beim nächsten Bezirksamt-Treffen auf der Tagesordnung stehen wird. «Wir müssen besser vorbereitet sein, vor allem mit Blick auf vulnerable Gruppen wie ältere oder pflegebedürftige Menschen», betonte sie.
Stromnetz Berlin investiert nach eigenen Angaben jährlich etwa 220 Millionen Euro in die Instandhaltung und Modernisierung des Berliner Stromnetzes. «Unser Netz gehört zu den zuverlässigsten in Deutschland mit durchschnittlich nur 12 Minuten Stromausfall pro Haushalt und Jahr», betonte Unternehmenssprecher Martin Berger. «Dennoch zeigen solche Vorfälle, dass weitere Investitionen notwendig sind.»
Der Stromausfall sorgte auch in den sozialen Medien für rege Diskussionen. Viele Anwohner teilten unter dem Hashtag #StromausfallLichterfelde ihre Erfahrungen und Tipps, wie sie die stromlose Zeit überbrückt haben.
Für Anwohner, die durch den Stromausfall Schäden erlitten haben – etwa verdorbene Lebensmittel in Kühlschränken – bietet Stromnetz Berlin eine Hotline an. In bestimmten Fällen kann eine Entschädigung möglich sein, wenn nachweislich Schäden entstanden sind.
Der Vorfall erinnert daran, wie wichtig eine grundlegende Notfallvorsorge für jeden Haushalt ist. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt, stets Taschenlampen, Batterien, etwas Bargeld und haltbare Lebensmittel vorrätig zu haben.