Es passiert fast täglich in unseren Zügen und Bahnhöfen. Eine Zugbegleiterin wird bespuckt, ein Schaffner geschlagen, eine Servicekraft bedroht. Die erschreckenden Zahlen der Deutschen Bahn zeigen: Durchschnittlich fünf Bahnmitarbeiter werden täglich körperlich angegriffen. Diese Welle der Aggression breitet sich wie ein dunkler Schatten über unsere Verkehrsbetriebe aus.
Besonders beunruhigend ist die steigende Brutalität der Übergriffe. «Wir erleben eine neue Qualität der Gewalt», berichtet Martin Seiler, Personalvorstand der Deutschen Bahn. Die Angriffe reichen von verbalen Entgleisungen bis hin zu schweren körperlichen Attacken. Allein im letzten Jahr wurden mehr als 3.100 tätliche Angriffe registriert. Die Gründe sind vielfältig: Frust über Verspätungen, Alkoholeinfluss oder schlichte Verweigerung der Ticketkontrolle. Letzte Woche erlebte ich selbst, wie ein junger Mann einen Zugbegleiter anschrie, nur weil dieser nach der Fahrkarte fragte. Die Atmosphäre im Abteil gefror augenblicklich.
Die Verkehrsbetriebe reagieren mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen. Bodycams für Mitarbeiter, mehr Sicherheitspersonal und Deeskalationstrainings sollen Abhilfe schaffen. Doch letztlich ist dies ein gesellschaftliches Problem. Die zunehmende Gewalt im öffentlichen Verkehr spiegelt eine Verrohung wider, die uns alle angeht. Vielleicht ist es Zeit, dass wir als Fahrgäste nicht länger wegschauen, sondern gemeinsam für mehr Respekt im Alltag einstehen.