In der Dunkelheit standen sie da – über 100 Menschen auf freier Strecke zwischen Friedrichshafen und Lindau. Was wie der Anfang eines Abenteuers klingt, war für die Reisenden eine unfreiwillige Unterbrechung ihrer Fahrt. Der Eurocity kollidierte mit einem Anhänger, der auf den Gleisen stand. Mitten in der Nacht, mitten im Nirgendwo.
Der Vorfall ereignete sich am späten Abend. Der Zug konnte nach dem Zusammenprall nicht weiterfahren. «Die Evakuierung war eine logistische Herausforderung, besonders bei Dunkelheit und auf offener Strecke», erklärt Einsatzleiter Michael Reitter. Die Feuerwehr leuchtete den Weg aus. Stufe für Stufe stiegen die Passagiere aus dem Zug. Kinder, Senioren, Menschen mit Gepäck – alle mussten etwa 500 Meter zu Fuß zurücklegen. Ich beobachtete, wie eine ältere Dame von zwei Helfern gestützt wurde. Ihr Gesicht zeigte Erschöpfung, aber auch Dankbarkeit.
Die Reisenden wurden mit Bussen nach Friedrichshafen gebracht. Einige wirkten erstaunlich gelassen. «Sowas passiert halt», meinte ein Schweizer Tourist achselzuckend. Andere zeigten sich weniger verständnisvoll. Im Bahnhof verteilten Helfer Wasser und Snacks. Die Deutsche Bahn organisierte Hotelzimmer für gestrandete Reisende.
Solche Vorfälle sind selten, aber sie zeigen, wie fragil unsere Mobilität manchmal sein kann. Ein vergessener Anhänger auf den Gleisen – und hundert Reisepläne werden durcheinandergewirbelt. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine Nacht unter Sternen, die niemand der Betroffenen so schnell vergessen wird.