Nach dem großflächigen Stromausfall in Berlin-Köpenick sind Soldaten der Bundeswehr im Einsatz, um den Bewohnern des betroffenen Stadtteils zu helfen. Seit Mittwoch unterstützt die Truppe mit mobilen Stromgeneratoren, Heizgeräten und Verpflegung die Notversorgung in dem Gebiet, wo rund 30.000 Haushalte und 2.000 Gewerbebetriebe von der Stromversorgung abgeschnitten sind.
«Wir sind mit etwa 80 Soldatinnen und Soldaten vor Ort und helfen, wo es nötig ist», erklärt Hauptmann Michael Sommer, Einsatzleiter der Bundeswehr in Köpenick. Die Truppen stammen hauptsächlich aus nahegelegenen Kasernen in Brandenburg und wurden kurzfristig angefordert, nachdem das Bezirksamt einen offiziellen Hilfeleistungsantrag gestellt hatte.
Der Stromausfall wurde durch ein durchtrenntes Hochspannungskabel bei Bauarbeiten am Dienstag verursacht. Besonders kritisch ist die Lage für ältere Menschen, Familien mit kleinen Kindern und Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Die Bundeswehr hat daher in mehreren Schulen und dem Bürgeramt Wärme- und Versorgungsstationen eingerichtet.
In der Salvador-Allende-Schule, die als zentrale Anlaufstelle dient, haben die Soldaten eine Feldküche aufgebaut. «Wir versorgen hier täglich etwa 600 Menschen mit warmen Mahlzeiten, heißen Getränken und bieten Aufenthaltsmöglichkeiten an», berichtet Oberfeldwebel Janina Krause, die die Verpflegungsstation leitet.
Besonders wertvoll sind die mobilen Notstromaggregate der Bundeswehr. Diese versorgen nicht nur die Wärmestationen, sondern auch kritische Infrastruktur wie Pflegeheime und Arztpraxen mit Strom. «Unsere Aggregate sind für solche Notfälle konzipiert und können problemlos mehrere Tage durchlaufen», erklärt Technikfeldwebel Marcus Weber.
Die Zusammenarbeit mit den zivilen Behörden funktioniert reibungslos. Bezirksbürgermeister Oliver Igel lobt den schnellen und unbürokratischen Einsatz: «Die Bundeswehr ist eine große Hilfe für uns. Ohne die Unterstützung der Soldatinnen und Soldaten wäre die Versorgung der Bevölkerung deutlich schwieriger.»
Die Bewohner Köpenicks zeigen sich dankbar für die Hilfe. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal froh über die Bundeswehr in meiner Nachbarschaft sein würde», sagt die 76-jährige Rentnerin Helga Schröder lächelnd, während sie eine warme Suppe in der Versorgungsstation isst. «Meine Wohnung ist eiskalt und ohne die Hilfe hier wüsste ich nicht, was ich machen sollte.»
Auch für Familien mit kleinen Kindern ist die Unterstützung wichtig. Martin Weber, Vater von zwei Kleinkindern, berichtet: «Wir können zu Hause nicht kochen und das Wasser ist kalt. Hier bekommen wir warmes Essen und können uns aufwärmen.»
Die Bundeswehr verteilt zudem Informationsblätter mit Verhaltenstipps bei Stromausfall und hat mobile Ladestationen für Handys eingerichtet, damit die Anwohner mit ihren Angehörigen in Kontakt bleiben können. «Kommunikation ist in solchen Situationen besonders wichtig», betont Hauptmann Sommer.
Neben der direkten Hilfe für Betroffene unterstützt die Bundeswehr auch die Techniker von Stromnetz Berlin bei den Reparaturarbeiten. Mit leistungsstarken Scheinwerfern werden die Arbeitsstellen ausgeleuchtet, damit die Reparaturarbeiten auch nachts fortgesetzt werden können.
Nach aktuellen Schätzungen der Netzbetreiber soll die Stromversorgung voraussichtlich bis Freitagnachmittag wiederhergestellt sein. Bis dahin bleibt die Bundeswehr im Einsatz. «Wir sind darauf vorbereitet, so lange zu bleiben, wie unsere Hilfe benötigt wird», versichert der Einsatzleiter.
Dieser Hilfseinsatz zeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und zivilen Behörden bei Katastrophenfällen ist. Für viele Köpenicker ist es eine neue Erfahrung, die Bundeswehr im Stadtbild zu sehen – für die meisten aber eine willkommene Hilfe in der Not.