Berlin im Dunkeln: Wie ein Stromausfall das digitale Leben lahmlegte
Ein plötzlicher Stromausfall legte gestern Abend große Teile von Berlin-Köpenick lahm. Tausende Haushalte saßen nicht nur im Dunkeln, sondern waren auch von der digitalen Welt abgeschnitten. Mobilfunknetze fielen aus, Internetverbindungen brachen zusammen, und viele Berliner fragten sich: «Wie lange dauert das noch?»
Der Ausfall begann gegen 19:30 Uhr und betraf nach Angaben der Stromnetzgesellschaft Berlin mehr als 20.000 Haushalte. Besonders betroffen waren die Stadtteile Köpenick, Grünau und Teile von Treptow. Für viele Anwohner war es nicht der erste Stromausfall in dieser Gegend – schon 2019 erlebte Köpenick einen größeren Blackout, der damals 30 Stunden andauerte.
Warum fielen Mobilfunk und Internet aus?
Anders als viele vermuten, funktionieren Mobilfunkmasten und Internetverteiler nicht ohne Strom. «Die meisten Mobilfunkmasten haben zwar Notstrombatterien, diese halten aber nur etwa zwei bis vier Stunden», erklärt Netzexperte Thomas Weber von der Technischen Universität Berlin. Danach fallen die Masten aus, wenn der Strom nicht zurückkehrt.
Bei Festnetz-Internet sieht es ähnlich aus. Zwar brauchen moderne Glasfaserkabel selbst keinen Strom für die Datenübertragung, aber die Verteilerknoten und Router in den Häusern sind auf Elektrizität angewiesen. «Ohne Strom kein WLAN, ohne Strom keine Internetverbindung – so einfach ist das», fasst Weber zusammen.
So kehrten die Netze zurück
Die gute Nachricht: Nach knapp sieben Stunden konnten die Techniker der Stromnetzgesellschaft den Fehler beheben. Gegen 2:15 Uhr nachts waren die meisten Haushalte wieder am Netz. Doch warum dauerte es danach noch Stunden, bis alle wieder telefonieren und surfen konnten?
«Nach einem Stromausfall müssen sich die Systeme erst wieder hochfahren und synchronisieren», erklärt Mobilfunkexperte Michael Schmidt. «Das ist wie bei einem Computer, der nach einem Absturz nicht sofort wieder voll funktionsfähig ist.»
Die drei großen Mobilfunkanbieter Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica (O2) bestätigten auf Anfrage, dass ihre Netze in den betroffenen Gebieten nach dem Stromausfall schrittweise wieder in Betrieb genommen wurden. «Nicht alle Masten gehen gleichzeitig wieder ans Netz, sondern nacheinander – das verhindert eine Überlastung», so ein Telekom-Sprecher.
Das können Sie beim nächsten Stromausfall tun
Um bei künftigen Stromausfällen vorbereitet zu sein, empfehlen Experten einige einfache Maßnahmen:
- Halten Sie Powerbanks bereit und laden Sie diese regelmäßig auf, um Ihr Smartphone im Notfall aufladen zu können.
- Nutzen Sie bei Stromausfall die Netze sparsam. Telefonieren belastet den Akku weniger als Surfen oder Videos schauen.
- Wenn möglich, bewegen Sie sich an den Rand des Ausfallgebiets. Oft funktionieren die Netze in angrenzenden Stadtteilen noch.
- Ein batteriebetriebenes Radio kann wichtige Informationen liefern, wenn digitale Medien ausfallen.
Für viele Köpenicker war dieser Stromausfall eine Erinnerung daran, wie abhängig wir von funktionierender Infrastruktur sind. «Es ist schon erschreckend, wie hilflos man sich fühlt, wenn plötzlich alle Kommunikationswege wegbrechen», berichtet Anwohnerin Sandra Müller, die die Situation nutzte, um mit ihren Nachbarn ins Gespräch zu kommen.
Die Berliner Feuerwehr richtete während des Ausfalls mehrere Anlaufstellen ein, an denen Bürger Notrufe absetzen konnten. Auch die Polizei verstärkte ihre Präsenz im betroffenen Gebiet.
Die Stromnetzgesellschaft Berlin arbeitet nach eigenen Angaben daran, die Infrastruktur widerstandsfähiger zu machen. «Wir investieren kontinuierlich in die Modernisierung unserer Netze», betonte ein Sprecher. Dennoch können Störungen nie ganz ausgeschlossen werden – besonders wenn, wie in diesem Fall, ein wichtiges Kabel beschädigt wird.
Der Vorfall zeigt, dass es sinnvoll ist, auch in digitalen Zeiten einen Notfallplan für den Offline-Zustand zu haben. Denn wenn das Licht ausgeht, geht meist auch die Verbindung zur digitalen Welt verloren – zumindest für eine Weile.