In Berlin-Köpenick herrscht seit gestern Abend Unruhe. Ein großflächiger Stromausfall legte das Viertel lahm und betrifft etwa 20.000 Haushalte. Die Polizei untersucht einen möglichen Zusammenhang mit einem anonymen Bekennerschreiben, das kurz nach dem Vorfall im Internet auftauchte.
Der Stromausfall begann gegen 20:15 Uhr. Zahlreiche Anwohner meldeten plötzlich fehlenden Strom in ihren Wohnungen. Betroffen waren Wohnhäuser, Geschäfte und sogar Teile der Straßenbeleuchtung im östlichen Stadtteil Köpenick. Die Berliner Feuerwehr rückte mit Notstromaggregaten aus, um kritische Einrichtungen wie Pflegeheime zu versorgen.
«Wir haben sofort alle verfügbaren Techniker mobilisiert», erklärte ein Sprecher der Berliner Stromnetze GmbH. «Die Ursachenforschung läuft auf Hochtouren.» Die Reparaturarbeiten gestalten sich schwierig, da mehrere Verteilerstationen beschädigt wurden. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei wurden an mindestens zwei Standorten Transformatoren mutwillig beschädigt.
Kurz nach Mitternacht tauchte im Internet ein anonymes Bekennerschreiben auf, in dem sich eine bisher unbekannte Gruppe «Revolutionäre Direktaktion» zu dem Anschlag bekennt. In dem Schreiben wird der Stromausfall als «Angriff auf die kapitalistische Infrastruktur» bezeichnet. Das Landeskriminalamt prüft die Echtheit des Schreibens.
«Die Art des Vorgehens deutet auf Insider-Wissen über die Stromversorgung hin», sagte ein Polizeisprecher am Morgen. «Die Täter wussten offenbar genau, wo sie ansetzen mussten, um einen maximalen Effekt zu erzielen.» Die Ermittler schätzen den materiellen Schaden auf mehrere hunderttausend Euro.
Anwohner in Köpenick zeigten sich besorgt über den Vorfall. «Das ist erschreckend, dass jemand so etwas machen kann», sagte die 67-jährige Rentnerin Helga Müller, die in einem der betroffenen Wohnblocks lebt. «Ich musste die ganze Nacht bei Kerzenlicht ausharren.»
Auch kleinere Betriebe leiden unter dem Ausfall. «Mein Kühlhaus ist ausgefallen und ich muss wahrscheinlich viele Lebensmittel wegwerfen», berichtete Bäckermeister Thomas Weber. «Dieser Schaden wird von keiner Versicherung gedeckt.»
Berlins Innensenatorin verurteilte den mutmaßlichen Anschlag scharf: «Dies ist kein harmloser Streich, sondern ein gefährlicher Eingriff in die kritische Infrastruktur unserer Stadt.» Sie kündigte verstärkte Schutzmaßnahmen für Versorgungseinrichtungen an.
Laut Stromnetzbetreiber könnte es noch bis zum späten Nachmittag dauern, bis alle Haushalte wieder mit Strom versorgt werden. Techniker arbeiten unter Hochdruck an der Reparatur der beschädigten Anlagen.
Sollte sich der Verdacht auf einen linksextremen Hintergrund erhärten, wäre es nicht der erste Anschlag dieser Art in Berlin. In den vergangenen Jahren gab es wiederholt Sabotageakte gegen Infrastruktureinrichtungen, für die sich Gruppen aus dem linksextremen Spektrum verantwortlich erklärten.
Der Berliner Verfassungsschutz hatte zuletzt vor einer Zunahme von Angriffen auf kritische Infrastruktur gewarnt. Die Behörde beobachtet mit Sorge eine Radikalisierung von Teilen der linksextremen Szene, die gezielte Sabotageakte als legitimes Mittel des politischen Kampfes betrachtet.
Für die Anwohner in Köpenick bleibt vorerst nur das Warten. Die Stadt hat im Bürgeramt eine Notversorgungsstelle eingerichtet, wo betroffene Bürger Informationen, warme Getränke und die Möglichkeit zum Aufladen von Mobiltelefonen erhalten.