In einer Entwicklung, die viele Berliner erschüttert, sitzt ein 29-jähriger Mann in Untersuchungshaft. Er steht unter dringendem Verdacht, alle drei Kältebusse der Berliner Stadtmission angezündet zu haben. Diese Busse waren für viele obdachlose Menschen in Berlin eine wichtige Lebenshilfe während der kalten Wintermonate.
Die Polizei konnte den Mann am Freitag in Berlin-Mitte festnehmen. Er war bereits polizeibekannt. Ein Richter erließ umgehend Haftbefehl wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung. Laut Staatsanwaltschaft liegen «dringende Tatverdachtsmomente» vor, die diese Maßnahme rechtfertigen.
Der Fall begann Ende Januar, als innerhalb weniger Tage drei Kältebusse in Flammen aufgingen. Diese Busse fahren normalerweise nachts durch Berlin, um Obdachlosen warme Getränke, Schlafsäcke und bei Bedarf Transport in Notunterkünfte anzubieten. Sie sind besonders wichtig, wenn die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen.
«Diese Brandstiftungen haben nicht nur materiellen Schaden verursacht, sondern vor allem den Ärmsten unserer Stadt geschadet», erklärt Barbara Breuer, Sprecherin der Berliner Stadtmission. «Jede Nacht konnten wir etwa 80 bis 100 Menschen mit den Bussen erreichen und ihnen helfen.»
Der erste Bus wurde am 25. Januar gegen 22:30 Uhr in der Frankfurter Allee in Friedrichshain in Brand gesetzt. Nur zwei Tage später, am 27. Januar, brannte ein zweiter Kältebus auf einem Parkplatz in der Seelenbinderstraße in Friedrichsfelde. Der dritte und letzte Bus fiel den Flammen am 31. Januar zum Opfer, als er in der Lehrter Straße in Moabit abgestellt war.
Die Ermittler gehen davon aus, dass alle drei Brände absichtlich gelegt wurden. Der entstandene Sachschaden wird auf etwa 150.000 Euro geschätzt. Zum möglichen Motiv des Verdächtigen schweigen die Behörden bislang.
Die Welle der Solidarität nach den Bränden war überwältigend. Zahlreiche Berliner, Unternehmen und Organisationen spendeten für neue Kältebusse. «Die Spendenbereitschaft hat uns tief berührt», berichtet Breuer. «Innerhalb weniger Wochen kamen über 200.000 Euro zusammen, sodass wir bereits Ersatzfahrzeuge anschaffen konnten.»
Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe besuchte nach den Vorfällen die Stadtmission und versprach Unterstützung: «Die Kältebusse sind ein unverzichtbarer Teil unseres Hilfssystems für obdachlose Menschen. Wir werden alles tun, um diese wichtige Arbeit abzusichern.»
Die Berliner Obdachlosenhilfe betreut nach eigenen Schätzungen etwa 6.000 bis 10.000 Menschen ohne festen Wohnsitz in der Hauptstadt. Besonders im Winter sind diese Menschen auf Hilfsangebote wie die Kältebusse angewiesen. Obdachlose gehören zu den vulnerabelsten Gruppen der Gesellschaft, und jeder Winter fordert Todesopfer unter denen, die auf der Straße leben.
«Dieser Fall zeigt die Verletzlichkeit unserer Hilfsangebote», sagt Streetworkerin Maja Weber, die regelmäßig mit obdachlosen Menschen arbeitet. «Aber er zeigt auch die große Solidarität in unserer Stadt.»
Der Prozess gegen den Verdächtigen wird mit Spannung erwartet. Bei Verurteilung wegen schwerer Brandstiftung drohen ihm mehrere Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft prüft auch, ob die Tat als gemeingefährlich einzustufen ist, was das Strafmaß erhöhen könnte.
Für die kommende Wintersaison plant die Stadtmission, ihre Kältehilfe weiter auszubauen. «Wir lassen uns nicht entmutigen», betont Breuer. «Mit den neuen Bussen werden wir ab November wieder jede Nacht unterwegs sein, um Menschen vor dem Erfrieren zu bewahren.»
Die Festnahme des mutmaßlichen Täters bringt nun etwas Erleichterung, kann aber den Schaden nicht ungeschehen machen. Für viele bleibt die Frage nach dem «Warum» – eine Frage, die vielleicht erst im Gerichtsprozess beantwortet werden kann.