Am frühen Dienstagmorgen erlebten mehr als 5.000 Haushalte und Unternehmen im Südosten Berlins einen unerwarteten Stromausfall. Die Ursache war kein technischer Defekt, sondern ein gezielter Brandanschlag auf einen wichtigen Strommast in Gosen-Neu Zittau, der die Hauptstadt mit Energie versorgt.
In den betroffenen Stadtteilen Köpenick, Müggelheim, Rahnsdorf und Teilen von Treptow standen plötzlich die Ampeln still, S-Bahnen konnten nicht fahren, und Geschäfte blieben dunkel. Für viele Berlinerinnen und Berliner begann der Tag mit kalten Duschen und ohne Möglichkeit, Kaffee zu kochen oder das Smartphone aufzuladen.
Die Stromnetz Berlin GmbH reagierte schnell und konnte die Versorgung durch Umschaltungen im Netz bereits nach etwa einer Stunde größtenteils wiederherstellen. Bis zum Nachmittag waren alle Haushalte wieder am Netz. Der Netzbetreiber betonte, dass die schnelle Reaktion nur dank der vorhandenen Redundanzen im Berliner Stromnetz möglich war.
Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf Brandstiftung mit politischem Hintergrund. Eine Gruppe namens «Vulkan» bekannte sich in einem Schreiben zu der Tat und begründete den Anschlag mit Protest gegen die deutsche Unterstützung für Israel im Gaza-Krieg. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.
Dieser Vorfall reiht sich ein in eine beunruhigende Serie von Anschlägen auf kritische Infrastruktur in Deutschland. Erst im März brannte ein Strommast in der Nähe des Tesla-Werks in Grünheide, wodurch die Produktion in der Autofabrik für mehrere Tage stillstand. Auch dazu hatte sich eine militante Gruppe bekannt.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser verurteilte den Anschlag scharf: «Wer lebenswichtige Stromversorgung angreift, riskiert Menschenleben und gefährdet unser Gemeinwesen.» Sie kündigte verstärkte Schutzmaßnahmen für kritische Infrastrukturen an.
Die Berliner Wirtschaft musste erneut Einbußen hinnehmen. Kleine Cafés und Geschäfte konnten erst später öffnen, während größere Unternehmen teilweise auf Notstromaggregate umschalten konnten. Die IHK Berlin schätzt den wirtschaftlichen Schaden auf mehrere hunderttausend Euro.
«Solche Anschläge treffen immer die Falschen», sagt Renate Müller, die ein kleines Café in Köpenick betreibt. «Ich musste heute Morgen 20 Kuchen wegwerfen, weil die Kühlung ausgefallen ist. Das kann sich ein kleiner Betrieb wie meiner kaum leisten.»
Auch die Krankenhäuser in den betroffenen Gebieten waren vorbereitet. Das Krankenhaus Köpenick schaltete sofort auf die Notstromversorgung um, sodass wichtige medizinische Geräte weiterlaufen konnten. «Bei uns stand kein Leben auf dem Spiel, aber solche Situationen zeigen, wie wichtig zuverlässige Backup-Systeme sind», erklärt Chefarzt Dr. Klaus Werner.
Experten für Sicherheit kritischer Infrastruktur warnen schon lange vor der Verwundbarkeit unserer Stromnetze. «Das deutsche Stromnetz ist zwar eines der zuverlässigsten weltweit, aber an bestimmten Punkten durchaus angreifbar», erläutert Prof. Dr. Sabine Hoffmann von der TU Berlin. «Besonders Überlandleitungen und einzelne Umspannwerke können Schwachstellen darstellen.»
Die Berliner Bevölkerung reagierte größtenteils besonnen auf den Stromausfall. In sozialen Medien teilten viele Betroffene ihre Erfahrungen und gaben praktische Tipps. Nachbarschaftshilfe wurde großgeschrieben – einige Anwohner öffneten ihre Türen für Menschen, deren Handys leer waren oder die eine warme Mahlzeit brauchten.
Für die Sicherheitsbehörden stellt sich nun die Frage, wie solche kritischen Infrastrukturen besser geschützt werden können. Eine lückenlose Überwachung aller Strommasten ist kaum möglich. «Wir müssen verstärkt auf Sensortechnik, Drohnenüberwachung und schnellere Reaktionssysteme setzen», fordert Sicherheitsexperte Michael Lehmann.
Der Berliner Senat hat für kommende Woche eine Sondersitzung zum Thema Schutz kritischer Infrastruktur anberaumt. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey betonte: «Wir müssen die Zusammenarbeit zwischen Betreibern, Polizei und Katastrophenschutz weiter verbessern und in Frühwarnsysteme investieren.»
Für die Bewohner der betroffenen Stadtteile ist der Stromausfall eine eindringliche Erinnerung daran, wie abhängig wir von einer funktionierenden Stromversorgung sind. «Man merkt erst, wenn der Strom weg ist, wie sehr unser Alltag davon abhängt», sagt der Köpenicker Rentner Horst Schmidt. «Ich hatte zum Glück noch eine alte Thermoskanne mit Kaffee und ein Transistorradio für die Nachrichten.»
Dieser Vorfall zeigt einmal mehr die Verwundbarkeit moderner Städte. Eine stabile Stromversorgung ist die Grundlage für nahezu alle Bereiche des öffentlichen Lebens – vom Verkehr über die Gesundheitsversorgung bis hin zur Kommunikation. Der Anschlag in Berlin mag nur kurze Auswirkungen gehabt haben, doch er wirft wichtige Fragen zur Sicherheit unserer Infrastruktur auf, die weit über die Hauptstadt hinaus Bedeutung haben.