Ein schweres Sturmtief zieht am Wochenende über Norddeutschland und wird voraussichtlich auch Berlin und Brandenburg mit voller Wucht treffen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat für beide Bundesländer die zweithöchste Warnstufe ausgegeben. «Mit Böen bis zu 120 Kilometer pro Stunde müssen wir rechnen», sagt Meteorologin Claudia Werner vom DWD.
Die Einsatzkräfte in der Region bereiten sich intensiv auf das Unwetter vor. «Wir haben alle verfügbaren Kräfte in Bereitschaft versetzt», erklärt Frank Siebert, Sprecher der Berliner Feuerwehr. In Brandenburg wurden bereits vorsorglich Sandsäcke an gefährdeten Stellen platziert.
Die Sturmfront «Ingrid» soll in der Nacht zu Samstag auf die Region treffen. Besonders gefährdet sind Waldgebiete und Parks. Die Berliner Forstverwaltung hat daher bereits den Großen Tiergarten und den Grunewald gesperrt. «Wir bitten alle Bürgerinnen und Bürger, diese Sperrungen unbedingt zu beachten», betont Umweltsenatorin Petra Klein.
Die Verkehrsbetriebe rechnen mit erheblichen Einschränkungen. Die S-Bahn Berlin und die Deutsche Bahn haben Notfallpläne aktiviert. «Wir müssen davon ausgehen, dass einzelne Strecken vorübergehend gesperrt werden müssen», sagt Bahnsprecher Thomas Müller. «Unsere Reparaturtrupps stehen bereit, um umgestürzte Bäume schnellstmöglich von den Gleisen zu räumen.»
Auch der Flughafen BER bereitet sich auf den Sturm vor. «Wir prüfen laufend die Wettersituation und stehen in engem Kontakt mit den Airlines», erklärt Flughafensprecherin Maria Schmidt. «Reisende sollten unbedingt vor Anreise prüfen, ob ihr Flug stattfindet.»
Die Schulbehörden beider Länder beraten derzeit, ob der Unterricht am Freitag ausfallen soll. Eine Entscheidung wird am Donnerstagabend erwartet. In Brandenburg wurden bereits erste Schulen in besonders gefährdeten Landkreisen geschlossen.
An den Häusern sollten lose Gegenstände gesichert werden. «Blumenkästen, Gartenmöbel oder Mülltonnen können bei solchen Windstärken zu gefährlichen Geschossen werden», warnt die Berliner Polizei. Anwohner in Altbauvierteln werden gebeten, besonders auf lockere Dachziegel zu achten und diese zu melden.
Besonders gefährdet sind laut DWD das Havelland, der Fläming und die Uckermark. Hier rechnen die Meteorologen mit den höchsten Windgeschwindigkeiten. «Die Kombination aus den starken Böen und dem durchweichten Boden nach den Regenfällen der letzten Wochen macht uns besonders Sorge», sagt Brandenburgs Innenminister Robert Fischer. «Bäume können leichter entwurzelt werden.»
Die Katastrophenschutzbehörden haben eine zentrale Hotline eingerichtet, über die Bürger aktuelle Informationen erhalten können. «Wir empfehlen allen, Notfallvorräte für zwei Tage anzulegen», sagt Katastrophenschutzkoordinator Michael Lehmann. «Wasser, haltbare Lebensmittel, Taschenlampen und Batterieradios sollten bereitliegen.»
Experten raten, unnötige Wege während des Sturms zu vermeiden. «Bleiben Sie möglichst zu Hause», empfiehlt Meteorologin Werner. «Wenn Sie doch raus müssen, meiden Sie Wälder und halten Sie Abstand zu Bäumen und Gerüsten.» Nach aktuellen Prognosen soll der Sturm bis Sonntagnachmittag anhalten, danach ist mit einer langsamen Beruhigung der Wetterlage zu rechnen.