Die Dresdner erwachten heute zu einer weißen Überraschung, als Sturmtief Elli über Sachsen zog und die Landeshauptstadt erneut in winterliches Chaos stürzte. Nach einer kurzen Atempause kehrte der Winter mit voller Wucht zurück. Die ersten Ausläufer des Sturmtiefs brachten bereits am frühen Morgen starke Schneefälle, die den Verkehr massiv beeinträchtigten.
«Wir haben seit den frühen Morgenstunden alle verfügbaren Räumfahrzeuge im Einsatz,» erklärt Mathias Krömer von der Dresdner Stadtreinigung. «Die Hauptverkehrsadern konnten wir bisher freihalten, aber in den Nebenstraßen wird es schwierig.» Bis zum Nachmittag fielen in der Innenstadt bereits 15 Zentimeter Neuschnee, in den höhergelegenen Stadtteilen wie Klotzsche und Weißer Hirsch sogar bis zu 25 Zentimeter.
Der Deutsche Wetterdienst warnt vor weiteren intensiven Schneefällen bis in die Nachtstunden. «Wir erwarten für Dresden insgesamt 20 bis 30 Zentimeter Neuschnee bis morgen früh, in den Höhenlagen am Stadtrand können es auch mehr werden,» sagt Meteorologe Frank Voigtländer. Besonders kritisch wird die Lage durch auffrischenden Wind, der zu Schneeverwehungen führen kann.
Die Dresdner Verkehrsbetriebe kämpfen mit erheblichen Einschränkungen. Mehrere Buslinien, besonders in den Hanglagen, mussten ihren Betrieb vorübergehend einstellen. Die Straßenbahnlinien fahren mit deutlichen Verspätungen. «Wir empfehlen allen Fahrgästen, mehr Zeit einzuplanen und wenn möglich auf nicht notwendige Fahrten zu verzichten,» rät DVB-Sprecherin Katja Müller.
Am Dresdner Hauptbahnhof stauen sich die Reisenden. Zahlreiche Verbindungen fallen aus oder haben erhebliche Verspätungen. Die Deutsche Bahn hat einen Notfallplan aktiviert, kann aber den regulären Betrieb nicht aufrechterhalten. Besonders betroffen sind die Regionalverbindungen ins Umland.
Auf den Straßen häufen sich die Unfälle. Die Polizeidirektion Dresden meldete bis zum Nachmittag bereits über 30 witterungsbedingte Verkehrsunfälle, glücklicherweise bisher nur mit Blechschäden. «Wir appellieren an alle Verkehrsteilnehmer, äußerst vorsichtig zu fahren oder ganz auf Fahrten zu verzichten,» sagt Polizeisprecher Thomas Geithner.
Auch die Schulen sind betroffen. Während der Unterricht heute noch regulär stattfand, prüft die Stadtverwaltung für morgen mögliche Einschränkungen. «Eine Entscheidung fällt heute Abend und wird über die üblichen Kanäle kommuniziert,» teilt das Schulverwaltungsamt mit.
In den Dresdner Krankenhäusern häufen sich die Fälle von Knochenbrüchen. «Wir verzeichnen einen deutlichen Anstieg an Patienten mit typischen Winterverletzungen,» berichtet Dr. Sabine Werner vom Universitätsklinikum. Die Notaufnahmen sind vorbereitet und haben zusätzliches Personal einberufen.
Während viele Dresdner mit den Herausforderungen kämpfen, genießen andere die winterliche Pracht. Im Großen Garten tummelten sich trotz der Wetterlage zahlreiche Spaziergänger, Kinder mit Schlitten und sogar einige wagemutige Langläufer. «So viel Schnee hatten wir lange nicht mehr in Dresden. Meine Kinder sind begeistert,» erzählt Familie Schulz beim Schlittenfahren.
Für Obdachlose wird die Situation besonders gefährlich. Die Stadtmission hat ihre Notunterkünfte geöffnet und bittet um Hinweise auf hilfsbedürftige Menschen im Freien. «Bei diesen Temperaturen kann eine Nacht im Freien lebensgefährlich sein,» warnt Sozialarbeiter Michael Vogt.
Die Meteorologen erwarten, dass der Schneesturm bis morgen Mittag anhalten wird. Danach soll es kälter werden mit Temperaturen bis minus zehn Grad in der Nacht. «Der Schnee wird uns noch eine Weile erhalten bleiben,» prognostiziert Meteorologe Voigtländer.
Für die Stadtreinigung beginnt damit ein Wettlauf gegen die Zeit. «Wenn die Temperaturen so stark sinken, wird der festgefahrene Schnee zu Eis. Dann wird die Räumung noch schwieriger,» erklärt Krömer. Die Stadt hat bereits zusätzliche Kräfte und private Räumdienste angefordert, um die Situation zu bewältigen.
Die Dresdner Feuerwehr steht mit allen verfügbaren Kräften bereit. «Besonders kritisch sind umstürzende Bäume durch die Schneelast,» warnt Feuerwehrsprecher Michael Klahre. «Wir raten dringend davon ab, unter Bäumen zu parken oder längere Zeit zu verweilen.»
Auf den sozialen Medien teilen viele Dresdner beeindruckende Winterbilder. Der verschneite Zwinger und die Frauenkirche im Schneegestöber sind beliebte Motive. Gleichzeitig dienen die Plattformen zum Austausch über gesperrte Straßen und ausgefallene Buslinien.
Die Stadtverwaltung hat einen Krisenstab eingerichtet und veröffentlicht regelmäßig aktuelle Informationen auf ihrer Website. Bürgermeister Dirk Hilbert mahnt zur Vorsicht: «Wir tun alles, um die Situation zu bewältigen. Aber wir brauchen auch die Mithilfe aller Bürgerinnen und Bürger.»
Experten sehen in diesem Wintereinbruch ein weiteres Extremwetterereignis, das mit dem Klimawandel zusammenhängt. «Auch wenn es paradox klingt: Die globale Erwärmung kann regional zu stärkeren Winterereignissen führen,» erklärt Klimaforscher Prof. Reinhardt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.
Für die kommenden Tage bleibt die Lage angespannt. Die Dresdner stellen sich auf weitere winterliche Herausforderungen ein – und freuen sich gleichzeitig über die seltene Gelegenheit, ihre Stadt in ein tiefwinterliches Gewand gehüllt zu erleben.