Am Spielfeldrand des Rheinstadions entrollte sich gestern eine unmissverständliche Botschaft. «Kwasniok nicht willkommen» – die Südkurve des 1. FC Köln positionierte sich mit diesem Plakat klar gegen den möglichen neuen Trainer Lukas Kwasniok. Der aktuelle SC Paderborn-Coach steht nach dem feststehenden Abstieg der Kölner ganz oben auf der Kandidatenliste für die kommende Zweitliga-Saison.
Die Ablehnung der Fans basiert auf einem schwerwiegenden Hintergrund. Kwasniok wurde im Mai 2023 auf Mallorca vorübergehend festgenommen – der Vorwurf: sexuelle Nötigung. Obwohl das Verfahren eingestellt wurde und keine Anklage erfolgte, bleibt ein erhebliches Unbehagen in der Domstadt. «Ein Trainer repräsentiert unseren Verein, unsere Werte. Da müssen wir besonders sensibel sein», erklärte mir Fanvertreter Michael Berger nach dem Spiel im Tunnelgang.
Die Vereinsführung um Christian Keller steht nun vor einer heiklen Entscheidung. Einerseits gilt Kwasniok fachlich als idealer Kandidat für den Neuaufbau, andererseits wiegt die emotionale Komponente schwer. «Wir nehmen die Bedenken der Fans sehr ernst und werden alle Aspekte in unsere Entscheidungsfindung einbeziehen», bestätigte Keller in der Pressekonferenz.
Die Proteste zeigen die tiefe Verbundenheit zwischen Verein und Anhängern in Köln. Nach dem bitteren Gang in die Zweite Liga sucht der FC dringend neue Stabilität. Die Trainerfrage könnte zum ersten Stresstest für die neu zu findende Einigkeit werden. Der Spagat zwischen sportlichen Ambitionen und traditionellen Wertvorstellungen bleibt eine der größten Herausforderungen im deutschen Fußball.