Nach dem großflächigen Stromausfall in mehreren Berliner Bezirken hat Innensenator Andreas Fischer umfassende Konsequenzen angekündigt. Der Blackout am vergangenen Donnerstag betraf rund 70.000 Haushalte in Kreuzberg, Neukölln und Teilen von Friedrichshain für mehr als sechs Stunden.
«Die Sicherheit unserer Energieversorgung ist eine Grundvoraussetzung für das Funktionieren unserer Stadt», erklärte Fischer bei einer Pressekonferenz im Roten Rathaus. «Was wir letzte Woche erlebt haben, darf sich nicht wiederholen.«
Besonders problematisch war der Ausfall mehrerer Krankenhäuser, die zeitweise auf Notstromanlagen umschalten mussten. Im Urbankrankenhaus verzögerten sich dadurch zwei geplante Operationen. Auch die Ampelschaltungen in den betroffenen Gebieten fielen aus, was zu erheblichen Verkehrsbehinderungen führte.
Nach ersten Untersuchungen des Netzbetreibers Vattenfall war ein technischer Defekt in einem Umspannwerk nahe der Oberbaumbrücke die Ursache für den Stromausfall. Experten vermuten eine Kombination aus Materialermüdung und der erhöhten Belastung durch die Hitzewelle der letzten Wochen.
Der Innensenator kündigte nun ein Maßnahmenpaket an, das die Stromversorgung der Hauptstadt krisenfester machen soll. Dazu gehört die Bereitstellung von 15 Millionen Euro für die Modernisierung kritischer Infrastruktur sowie regelmäßige Stresstests für Umspannwerke in allen Bezirken.
«Wir werden außerdem die Notfallpläne für öffentliche Einrichtungen überprüfen und verbessern», sagte Fischer. «Besonders Krankenhäuser, Pflegeheime und Verkehrsknotenpunkte müssen besser abgesichert werden.»
Auch die Kommunikation mit den Bürgern soll verbessert werden. Viele Anwohner beklagten, dass sie stundenlang keine Informationen über die Dauer des Ausfalls erhalten hätten. Die Feuerwehr Berlin verzeichnete über 2.000 Anrufe in den betroffenen Stunden, was die Notrufkapazitäten stark belastete.
Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann kritisierte, dass viele ältere Menschen in höheren Stockwerken ohne Aufzüge festsaßen. «Wir brauchen bessere Nachbarschaftshilfe und konkrete Anlaufstellen in jedem Kiez für solche Notfälle», forderte sie.
Die Industrie- und Handelskammer Berlin schätzt den wirtschaftlichen Schaden durch den Stromausfall auf mehrere Millionen Euro. Besonders Restaurants und Einzelhändler in den betroffenen Gebieten mussten erhebliche Einbußen hinnehmen.
Fischer kündigte an, dass künftig jeder Bezirk mindestens eine Notfallstation einrichten muss, die auch bei Stromausfall funktionsfähig bleibt. Dort sollen Bürger Informationen erhalten, ihre Mobilgeräte aufladen und bei Bedarf medizinische Hilfe bekommen können.
Experten für urbane Infrastruktur begrüßen die angekündigten Maßnahmen, weisen jedoch darauf hin, dass die alternde Strominfrastruktur in vielen deutschen Großstädten ein grundsätzliches Problem darstellt. Professor Michael Weber von der TU Berlin erklärte: «Berlin ist hier kein Einzelfall. Viele Komponenten unserer Stromnetze stammen aus den 1970er und 1980er Jahren und erreichen bald das Ende ihrer Lebensdauer.«
Eine Bürgersprechstunde zum Thema «Notfallvorsorge im Kiez» ist für kommenden Dienstag im Rathaus Kreuzberg geplant. Dort sollen auch praktische Tipps für Stromausfälle vermittelt werden.