Erstmals seit langem ist ein Heimspiel des VfB Stuttgart nicht ausverkauft. Beim kommenden Bundesliga-Topspiel gegen Eintracht Frankfurt am Samstag werden in der MHP Arena noch mehrere tausend Plätze frei bleiben. Eine überraschende Entwicklung, nachdem der Verein in der laufenden Saison bisher bei jedem Heimspiel ein volles Haus verzeichnen konnte.
Die Gründe für die geringere Nachfrage sind vielfältig. Der Hauptfaktor scheint der Termin zu sein. Das Spiel findet am Samstagabend um 18:30 Uhr statt – ein Zeitpunkt, der für viele Fans aus dem Umland problematisch ist. «Viele unserer treuen Anhänger kommen aus dem weiteren Umkreis von Stuttgart. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird die Heimreise nach dem Spiel für sie schwierig», erklärt ein Vereinssprecher.
Die Ticketpreise wurden für diese Partie erhöht. Das Spiel wurde als «Topspiel» eingestuft, was höhere Preiskategorien zur Folge hat. Während die günstigsten Stehplätze normalerweise bei etwa 18 Euro liegen, kosten sie für das Frankfurt-Spiel 22 Euro. Sitzplätze beginnen bei 45 Euro statt der üblichen 38 Euro für reguläre Spiele.
Besonders betroffen von der schwächeren Nachfrage sind die Blöcke im Oberrang der Haupttribüne. Hier sind noch zusammenhängende Plätze verfügbar. «Die teureren Kategorien sind immer die letzten, die verkauft werden», berichtet ein Mitarbeiter der Ticketabteilung. Die Preise für diese Plätze liegen zwischen 70 und 85 Euro.
Die wirtschaftliche Lage spielt ebenfalls eine Rolle. «Wir merken, dass viele Fans genauer überlegen, für welche Spiele sie Geld ausgeben», erklärt der Fanbeauftragte des VfB. «Bei drei Heimspielen innerhalb von zwei Wochen müssen manche Fans Prioritäten setzen.»
Hinzu kommt die aktuelle Leistungsschwäche des VfB. Nach dem hervorragenden zweiten Platz in der vergangenen Saison läuft es in dieser Spielzeit nicht mehr so rund. Die letzten drei Bundesligaspiele endeten mit Niederlagen, wodurch der VfB auf den achten Tabellenplatz abgerutscht ist. «Der sportliche Erfolg beeinflusst natürlich das Zuschauerinteresse», gibt ein Vorstandsmitglied zu.
Auch das Wetter könnte ein Faktor sein. Für Samstag sind Temperaturen um die fünf Grad und Regen vorhergesagt. Besonders in den nicht überdachten Bereichen der Arena ist das für viele Fans ein Grund, lieber zu Hause zu bleiben.
Die Fanszene bleibt dennoch optimistisch. «Wir werden trotzdem für Stimmung sorgen», verspricht ein Vertreter des Fanclubs «Cannstatter Kurve». «Die, die kommen, werden die Mannschaft umso lauter unterstützen.»
Der Verein hat auf die verhaltene Nachfrage reagiert und kurzfristig eine Sonderaktion gestartet. Schulklassen und Jugendsportgruppen können vergünstigte Tickets erhalten. «Wir wollen jungen Menschen die Chance geben, Bundesliga-Atmosphäre zu erleben», erklärt der Marketingleiter des VfB.
Trotz der nicht ausverkauften Arena rechnet der Verein mit rund 53.000 Zuschauern – immer noch eine beachtliche Kulisse. Die MHP Arena fasst bei Bundesligaspielen 60.000 Besucher. «Für die Mannschaft ist jede Unterstützung wichtig», betont Trainer Sebastian Hoeneß. «Gerade nach den letzten Ergebnissen brauchen wir die Fans im Rücken.»
Für die nächsten Heimspiele plant der VfB neue Angebote. «Wir werden flexible Ticketpakete einführen und die Preisstruktur überdenken», kündigt der Vorstand an. Auch verbesserte Angebote für An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind in Planung.
Die Situation ist für den VfB ungewohnt. In den vergangenen Monaten waren Tickets für Heimspiele heiß begehrt und oft innerhalb weniger Stunden vergriffen. Der Verein hatte sogar eine Warteliste für Dauerkarten eingerichtet, da die Nachfrage das Angebot deutlich überstieg.
Für neutrale Fußballfans bietet sich jetzt die seltene Chance, spontan Tickets für ein Bundesliga-Topspiel zu ergattern. Die verbleibenden Karten sind über die üblichen Verkaufskanäle des Vereins erhältlich.