Die Morgendämmerung über dem Wattenmeer bei Wilhelmshaven ist ein Naturschauspiel. Hunderte Vögel ziehen ihre Bahnen am Himmel. Doch die Idylle täuscht. Ein erbitterter Konflikt zwischen Umweltschutz und Energiesicherheit spitzt sich zu. Das geplante LNG-Terminal kollidiert mit jahrzehntealten Vogelschutzgebieten.
Spaziergänger berichten von weniger Vögeln seit Baubeginn. Die Naturschützer schlagen Alarm. «Was hier passiert, ist ein dramatischer Eingriff in ein internationales Schutzgebiet», erklärt Dr. Maria Krüger vom NABU Niedersachsen. Die Bauarbeiten und der spätere Betrieb gefährden seltene Arten wie die Zwergseeschwalbe.
Dem gegenüber stehen wirtschaftliche Interessen. Ein Terminal-Sprecher betont: «Wir halten alle Auflagen ein.» Tatsächlich wurden Ausgleichsflächen geschaffen. Doch reicht das?
Letzte Woche beobachtete ich selbst, wie Bagger direkt neben rastenden Zugvögeln arbeiteten. Ein seltsamer Anblick. Die Vögel schienen die Unruhe zu ignorieren. Oder hatten sie keine Alternative?
Die Debatte offenbart ein gesellschaftliches Dilemma. Energiesicherheit versus Umweltschutz. Kurzfristige Lösungen versus langfristige Verantwortung. In diesem Spannungsfeld werden wir uns noch oft bewegen. Die Vögel von Wilhelmshaven sind nur der Anfang einer schwierigen Abwägung, die uns als Gesellschaft herausfordert.