Die Hamburger Stadtreinigung steht vor einer anstrengenden Woche. Nach den Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes müssen sich die Hamburgerinnen und Hamburger auf gefährliche Glätte einstellen. «Wir haben alle verfügbaren Fahrzeuge und Mitarbeiter mobilisiert«, erklärt Kay Goetze, Sprecher der Stadtreinigung Hamburg (SRH).
Seit den frühen Morgenstunden sind rund 725 Einsatzkräfte mit 350 Fahrzeugen in der Hansestadt unterwegs. Ihr Ziel: Die wichtigsten Verkehrswege eisfrei zu halten. Besonders gefährlich sind die Temperaturen um den Gefrierpunkt, die zusammen mit Niederschlag für spiegelglatte Straßen und Gehwege sorgen können.
«Die Hauptverkehrsstraßen haben wir bereits präventiv gestreut«, berichtet Goetze. «Unsere Teams konzentrieren sich jetzt auf die Radwege und Fußgängerbereiche in der Innenstadt.» Rund 3.000 Tonnen Streusalz wurden in den vergangenen 48 Stunden bereits ausgebracht. Das entspricht etwa 10 Prozent des Jahresvorrats der Stadt.
Die Wetterlage bleibt herausfordernd. Lars Schmidt vom Meteorologischen Institut Hamburg erklärt: «Wir haben eine komplizierte Wetterlage mit Temperaturen, die um den Gefrierpunkt schwanken, und wechselnden Niederschlagsarten. Das macht die Glättegefahr besonders tückisch.» Besonders in den frühen Morgenstunden sei die Gefahr am größten.
Die SRH steht in ständigem Kontakt mit den Wetterdiensten und passt ihre Einsätze entsprechend an. «Wir arbeiten in drei Schichten rund um die Uhr«, sagt Goetze. Das Personal sei auf diese Situation gut vorbereitet, die Belastung sei jedoch hoch. «Unsere Leute geben alles, aber wir bitten auch die Hamburger um Mithilfe.»
Die Stadt erinnert Hauseigentümer und Vermieter an ihre Pflicht, Gehwege vor ihren Grundstücken zu räumen und zu streuen. «Von 7 Uhr morgens bis 20 Uhr abends müssen Gehwege geräumt werden«, betont Goetze. «Bei Eis und Schnee gilt das auch an Wochenenden und Feiertagen.»
Für Fußgänger und Radfahrer ist besondere Vorsicht geboten. Sanitäter der Hamburger Krankenhäuser berichten bereits von einer steigenden Zahl an Sturzverletzungen. «Gestern hatten wir über 30 Patienten mit typischen Verletzungen durch Stürze auf Glatteis«, berichtet Dr. Marina Weiß vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Der öffentliche Nahverkehr reagiert ebenfalls auf die Wetterlage. Die Hamburger Hochbahn hat zusätzliche Streuteams an wichtigen Haltestellen im Einsatz. «Wir empfehlen allen Fahrgästen, mehr Zeit einzuplanen und besonders vorsichtig zu sein«, erklärt Hochbahn-Sprecherin Anna Müller.
Die Stadtreinigung gibt folgende Tipps für die kommenden Tage:
– Unnötige Fahrten vermeiden, wenn möglich zu Hause bleiben
– Festes Schuhwerk mit rutschfester Sohle tragen
– Bei notwendigen Fahrten mit dem Auto mehr Zeit einplanen
– Gehwege vor dem eigenen Grundstück regelmäßig von Eis befreien
– Umweltfreundliche Streumittel wie Splitt oder Sand verwenden
Die aktuellen Glätte-Warnungen gelten voraussichtlich bis Ende der Woche. Die Stadtreinigung bleibt in erhöhter Einsatzbereitschaft. «Wir tun unser Bestes, aber bei einer Stadt mit mehr als 4.000 Kilometern Straßennetz können wir nicht überall gleichzeitig sein«, bittet Goetze um Verständnis.
Anwohner können Gefahrenstellen direkt bei der Stadtreinigung melden. «Besonders gefährliche Stellen wie Treppen, steile Straßen oder viel begangene Wege an öffentlichen Einrichtungen haben Priorität«, erklärt der SRH-Sprecher. Die Meldung ist telefonisch unter 040/25760 oder über die SRH-App möglich.
Für den ÖPNV gibt es bisher keine größeren Einschränkungen, einzelne Buslinien können jedoch Verspätungen aufweisen. Die S-Bahn fährt nach Plan, rät aber zu besonderer Vorsicht auf den Bahnsteigen.
Trotz aller Herausforderungen zeigt sich die Stadtreinigung zuversichtlich: «Mit der Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger werden wir auch diese Glättephase meistern«, so Goetze. «Hamburg ist gut vorbereitet – gemeinsam kommen wir sicher durch den Winter.»