Das milde Wetter der letzten Tage sorgt für Erleichterung bei vielen Berlinerinnen und Berlinern. Die Eiszeit scheint vorerst vorüber zu sein. Doch die steigenden Temperaturen bringen neue Gefahren mit sich: Die zuvor gefrorenen Gewässer werden zunehmend instabil. Die Berliner Polizei hat deshalb eine dringende Warnung ausgesprochen und appelliert an alle Bürgerinnen und Bürger, die Eisflächen nicht mehr zu betreten.
Nach den frostigen Temperaturen der vergangenen Wochen, die zeitweise auf minus 15 Grad fielen, erleben wir nun einen deutlichen Wetterumschwung. Das Thermometer zeigt tagsüber bereits Werte über dem Gefrierpunkt. «Diese plötzliche Erwärmung führt dazu, dass die Eisdecken auf Berlins Seen und Teichen schnell an Stabilität verlieren», erklärt Polizeisprecherin Maria Weber.
Die Polizei beobachtet mit Sorge, dass trotz der Warnungen immer noch Menschen die Eisflächen betreten. «Wir sehen täglich Spaziergänger, die das Eis am Weißen See oder am Schlachtensee betreten, manchmal sogar mit Kindern», berichtet Weber. «Das ist lebensgefährlich, da das Eis jederzeit brechen kann.»
Besonders tückisch: Die Tragfähigkeit des Eises lässt sich mit bloßem Auge kaum einschätzen. Während die Oberfläche noch fest erscheinen mag, kann das Eis darunter bereits porös und brüchig sein. Die Berliner Feuerwehr verzeichnete in den letzten 48 Stunden bereits drei Einsätze wegen eingebrochener Personen.
«Bei einem Einbruch ins Eiswasser bleiben oft nur wenige Minuten, um sich selbst zu retten oder gerettet zu werden», warnt Dr. Michael Schneider von der Berliner Wasserwacht. «Die Unterkühlung setzt sehr schnell ein und führt zu Bewegungsunfähigkeit, was die Selbstrettung nahezu unmöglich macht.»
Die Polizei hat ihre Präsenz an beliebten Eisflächen wie dem Müggelsee, Tegeler See und mehreren Parkgewässern verstärkt. Beamte weisen Spaziergänger auf die Gefahren hin und fordern sie auf, das Eis zu verlassen.
Für Eltern gibt die Polizei einen besonderen Hinweis: «Bitte sprechen Sie mit Ihren Kindern über die Gefahren des brüchigen Eises und beaufsichtigen Sie sie in der Nähe von Gewässern besonders gut», so Weber. Kinder unterschätzen die Risiken oft und werden vom scheinbaren Abenteuer einer zugefrorenen Wasserfläche magisch angezogen.
Was tun im Notfall? Die Berliner Feuerwehr empfiehlt: «Wer einbricht, sollte versuchen, sich in Richtung des Ufers zu orientieren und die Arme weit ausbreiten, um nicht unter das Eis zu geraten.» Zeugen sollten sofort den Notruf 112 wählen und niemals selbst auf das Eis gehen, um zu helfen. «Reichen Sie dem Eingebrochenen stattdessen einen langen Ast, eine Leiter oder ein Seil», rät Schneider.
Die Berliner Bäderbetriebe weisen darauf hin, dass auch in diesem Jahr keine der städtischen Eisflächen zum Betreten freigegeben wurde. «Nur auf offiziell freigegebenen Eisflächen mit ausreichender Eisdicke wäre ein sicheres Betreten möglich», erklärt Sprecher Matthias Klein. «Solche gibt es derzeit in Berlin nicht.»
Das Bezirksamt Pankow hat bereits am Wochenende Warnschilder an beliebten Gewässern wie dem Weißen See aufgestellt. Auch andere Bezirke ziehen nach. Die Schilder in mehreren Sprachen sollen besonders auch Touristen und Neuberliner auf die Gefahren aufmerksam machen.
Die Wetterprognose verspricht keine Rückkehr des strengen Frosts in den kommenden Tagen. Das bedeutet: Die Eisflächen werden weiter an Stabilität verlieren. Die Polizei hofft, dass ihre Warnungen Gehör finden und es nicht zu schweren Unglücken kommt.
«Bitte unterschätzen Sie die Gefahr nicht», appelliert Polizeisprecherin Weber abschließend. «Kein Foto und kein Spaziergang auf dem Eis ist es wert, sein Leben zu riskieren.»