Vom Rasen betrachtet knirscht es in der Beziehung zwischen den Ultras und dem neuen Trainer in Köln deutlich vernehmbar. Nach nur vier Pflichtspielen steht Paderborn-Import Pajo Kwasniok bereits im Kreuzfeuer der berüchtigten Südkurve. Die Atmosphäre im RheinEnergieStadion nach der jüngsten 1:2-Niederlage gegen Elversberg sprach Bände – lautstarke «Kwasniok raus»-Rufe hallten durch die Arena.
Der Gegenwind hat einen klaren Ursprung. Kwasniok wagte es, das ungeschriebene Gesetz der Fan-Hierarchie zu missachten. Seine Aussage, er lasse sich «nicht von der Kurve erpressen», traf den Nerv der Domstadt-Anhänger empfindlich. Die Ultras antworteten mit einem unmissverständlichen Banner: «Niemand steht über dem FC – auch du nicht, Kwasniok!» Eine Machtdemonstration, die in ihrer Klarheit kaum zu übertreffen ist.
«Wir befinden uns in einer schwierigen Situation, die nur gemeinsam zu bewältigen ist», räumte Geschäftsführer Christian Keller sichtlich angespannt ein. Der Abstieg aus der Bundesliga wirkt nach, die Fans sind dünnhäutig. Beobachter der Kölner Fanszene sehen hier einen klassischen Kulturkonflikt. Die Südkurve versteht sich traditionell als Herz des Vereins, nicht als bloße Unterstützung für ein Team.
Kwasniok zeigte sich nach den Anfeindungen zumindest äußerlich unbeeindruckt. «Kritik gehört zum Fußball dazu», erklärte er beim Training am Geißbockheim. Doch hinter verschlossenen Türen dürften intensive Gespräche stattfinden. Die nächsten Spiele werden entscheidend. In Köln entstehen Trainer-Erfolgsgeschichten selten gegen die Südkurve. Der FC und seine leidenschaftlichen Fans – eine komplizierte Liebesbeziehung, die aktuell dringend Paartherapie benötigt.