Am Frankfurter Universitätsklinikum haben die Pflegekräfte erneut ihre Arbeit niedergelegt. Seit Dienstagmorgen streiken die Beschäftigten, um bessere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Vergütung durchzusetzen. Die Gewerkschaft Verdi hat zu dem Warnstreik aufgerufen, der bis einschließlich Donnerstag andauern soll.
«Wir können einfach nicht mehr unter diesen Bedingungen arbeiten», erklärt Maria Schmidt, eine Pflegefachkraft der Intensivstation. «Der ständige Personalmangel führt dazu, dass wir kaum noch Pausen machen können und regelmäßig Überstunden leisten müssen. Das geht auf Kosten unserer Gesundheit und letztendlich auch der Patientenversorgung.»
Die Streikenden fordern vor allem bessere Personalschlüssel und eine höhere Vergütung. Nach Angaben der Gewerkschaft fehlen allein am Frankfurter Uniklinikum mehr als 200 Vollzeitstellen in der Pflege. Gleichzeitig steigt die Arbeitsbelastung durch zunehmend komplexere Behandlungsfälle.
Für Patienten bedeutet der Ausstand erhebliche Einschränkungen. Planbare Operationen wurden verschoben, und in den Ambulanzen kommt es zu längeren Wartezeiten. Die Notfallversorgung und die Behandlung von Schwerkranken sind jedoch durch Notdienstvereinbarungen sichergestellt.
Das Klinikum hat auf seiner Website Informationen für betroffene Patienten veröffentlicht. «Wir bedauern die Unannehmlichkeiten und bitten um Verständnis», erklärt Klinikumssprecher Thomas Weber. «Wir stehen in Verhandlungen mit der Gewerkschaft und hoffen auf eine baldige Einigung.»
Es ist bereits der dritte Streik innerhalb von zwei Monaten. Die Gewerkschaft beklagt schleppende Verhandlungen. «Die Klinikleitung muss endlich einsehen, dass wir keine leeren Versprechungen mehr akzeptieren», betont Georg Müller, Verdi-Vertreter für den Gesundheitsbereich. «Ohne konkrete Verbesserungen werden wir den Druck weiter erhöhen.»
Die Situation am Uniklinikum Frankfurt steht exemplarisch für die Probleme im deutschen Gesundheitswesen. Bundesweit fehlen nach Angaben des Deutschen Pflegerats etwa 100.000 Pflegefachkräfte. Die Corona-Pandemie hat die angespannte Personalsituation weiter verschärft. Viele Beschäftigte haben den Beruf aufgegeben oder ihre Arbeitszeit reduziert.
«Was viele nicht verstehen: Wir streiken nicht gegen unsere Patienten, sondern für sie», erklärt Pflegefachmann Stefan Lehmann. «Eine gut ausgestattete Pflege mit ausreichend Personal ist entscheidend für die Genesung und Sicherheit der Patienten.»
Die Stadt Frankfurt beobachtet den Konflikt mit Sorge. Gesundheitsdezernent Stefan Majer appelliert an beide Seiten: «Wir brauchen dringend eine Lösung, die sowohl den Bedürfnissen der Beschäftigten als auch der Patientenversorgung gerecht wird.»
Auch die hessische Landesregierung ist alarmiert. Das Universitätsklinikum ist nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber in der Region, sondern auch unverzichtbar für die medizinische Maximalversorgung. Gesundheitsminister Kai Klose hat beide Parteien zu intensiven Verhandlungen aufgefordert.
Für Donnerstagnachmittag ist eine Demonstration der Streikenden vor dem Römer geplant. Die Gewerkschaft rechnet mit mehreren hundert Teilnehmern. Sollte es in den kommenden Tagen keine Annäherung geben, drohen weitere Streikmaßnahmen.
Die aktuelle Streikwelle beschränkt sich nicht nur auf Frankfurt. Auch an anderen Universitätskliniken in Deutschland haben Pflegekräfte in den vergangenen Wochen ihre Arbeit niedergelegt. Die Beschäftigten fordern bundesweit verbindliche Personalstandards und eine deutliche Aufwertung des Pflegeberufs.
Patientenvertreter zeigen Verständnis für die Anliegen der Streikenden. «Die Qualität der Pflege ist entscheidend für eine gute Gesundheitsversorgung», betont Ilona Köhler vom Patientenbeirat. «Wir unterstützen die Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen, auch wenn die aktuelle Situation für viele Patienten belastend ist.»
Die nächste Verhandlungsrunde zwischen Klinikleitung und Gewerkschaft ist für kommenden Montag angesetzt. Bis dahin müssen sich Patienten auf weitere Einschränkungen einstellen.