Der Wind wehte kalt durch Berlin, als ich heute vom Protest vor der iranischen Botschaft berichtete. Eine Menschenmenge mit Schildern, darauf Gesichter der im Iran Inhaftierten. Ihre Geschichten brennen sich ein. Der Ruf nach politischen Konsequenzen wird lauter – nun mischen sich prominente Stimmen ein.
Über 40 deutsche Persönlichkeiten haben sich in einem offenen Brief an die Bundesregierung gewandt. Sie fordern entschlosseneres Handeln gegen das iranische Regime. Unter den Unterzeichnenden finden sich Namen wie Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller und Schauspieler Ulrich Matthes. Der Appell kritisiert die bisherige Zurückhaltung Deutschlands scharf. «Die Bundesregierung muss endlich wirksamen Druck auf das Regime in Teheran ausüben», betont die iranisch-deutsche Autorin Natalie Amiri. Im Kern geht es um konkrete Maßnahmen: Einstufung der Revolutionsgarden als Terrororganisation, mehr Sanktionen und Schutz für bedrohte Exil-Iraner in Deutschland. Vor einigen Tagen sprach ich mit einer iranischstämmigen Freundin, deren Familie noch immer unter Beobachtung steht. Ihre Angst ist greifbar.
Die deutsche Iran-Politik steht am Scheideweg. Zwischen wirtschaftlichen Interessen und Menschenrechten klafft eine schmerzhafte Lücke. Der Appell der Prominenten könnte zum Wendepunkt werden. Oder bleibt er nur ein weiterer Hilferuf im politischen Rauschen? Die Antwort liegt in den Händen unserer Regierung.