Die plötzliche Wende im Prozess gegen den ehemaligen Staatsanwalt aus Hannover ließ den Gerichtssaal verstummen. Nach monatelangem Schweigen legte der Angeklagte gestern ein umfassendes Geständnis ab. Die Vorwürfe wiegen schwer: Weitergabe von Dienstgeheimnissen, Drogenbesitz und Bestechlichkeit. Ein Fall, der die Justizkreise erschüttert und Fragen nach Kontrollmechanismen aufwirft.
Die Stimme des Ex-Staatsanwalts zitterte merklich, als er seine Verstrickungen offenlegte. Er gab zu, vertrauliche Informationen an Drogenhändler weitergegeben zu haben. «Ich habe meine berufliche Position missbraucht und das in mich gesetzte Vertrauen enttäuscht», erklärte der 43-Jährige sichtlich bewegt. Die Ermittlungen hatten ergeben, dass er über Monate Kokain konsumierte und im Gegenzug Ermittlungsakten preisgab.
Als ich den Angeklagten vor Gericht sah, erinnerte ich mich an eine Pressekonferenz vor zwei Jahren. Damals stand er selbstbewusst vor den Kameras und verkündete Erfolge im Kampf gegen Drogenkriminalität. Die Diskrepanz könnte nicht größer sein. Der Vorsitzende Richter kommentierte das Geständnis als «wichtigen Schritt zur Wahrheitsfindung.»
Rechtsexperte Prof. Dr. Bernhard Kretschmer von der Universität Hannover sieht darin ein systemisches Problem: «Wer kontrolliert die Kontrolleure? Dieser Fall zeigt Lücken in unseren internen Überwachungsmechanismen auf.»
Was als spektakuläre Wendung im Einzelfall erscheint, wirft ein Schlaglicht auf die Verletzlichkeit unseres Rechtssystems. Der Prozess geht nächste Woche weiter. Die Vertrauenskrise in der hannoverschen Justiz aber wird länger nachwirken. Manchmal sind es gerade die Hüter des Gesetzes, die uns seine Fragilität vor Augen führen.