Die eisige Jahreszeit hat Nordrhein-Westfalen fest im Griff. Eine arktische Kaltfront zieht in diesen Tagen über unser Bundesland und bringt Temperaturen, die deutlich unter den Gefrierpunkt fallen. Für viele Städte in NRW werden Werte von bis zu minus 11 Grad vorhergesagt. Diese extreme Kälte stellt nicht nur eine Herausforderung für den Alltag dar, sondern birgt auch ernsthafte Gesundheitsrisiken.
Der Deutsche Wetterdienst hat bereits eine Warnung herausgegeben. «Die Kombination aus tiefen Temperaturen und Wind führt zu einer gefühlten Temperatur, die noch deutlich niedriger liegt als die gemessenen Werte», erklärt Meteorologin Sabine Weber. «Besonders in den frühen Morgenstunden und nachts müssen die Menschen mit extremer Kälte rechnen.»
In Köln werden die Temperaturen voraussichtlich auf minus 8 Grad sinken, während ländliche Regionen im Sauerland und der Eifel mit bis zu minus 11 Grad rechnen müssen. Dazu kommt ein schneidender Ostwind, der die gefühlte Temperatur noch weiter absenken wird.
Die Stadtverwaltungen in NRW haben bereits reagiert. In Köln wurden zusätzliche Notunterkünfte für Obdachlose eingerichtet. «Bei diesen Temperaturen kann ein Aufenthalt im Freien lebensgefährlich sein», betont Sozialdezernent Thomas Müller. Die städtischen Kältehilfen haben ihre Kapazitäten erhöht und Streetworker sind verstärkt unterwegs, um gefährdete Personen anzusprechen.
Auch für den Straßenverkehr bedeutet die Kältewelle eine besondere Gefahr. Die Straßenmeistereien sind im Dauereinsatz, um glatte Straßen zu verhindern. «Wir arbeiten rund um die Uhr», sagt Frank Schröder, Leiter der Straßenmeisterei Bergisch Gladbach. «Besonders tückisch sind die sogenannten Blitzeis-Situationen, wenn Feuchtigkeit auf den gefrorenen Boden trifft.»
Die Stadtwerke in mehreren NRW-Städten verzeichnen einen deutlichen Anstieg des Energieverbrauchs. «Wir sehen einen Zuwachs von etwa 20 Prozent im Vergleich zu normalen Wintertagen», erklärt Energieexperte Klaus Bauer. Er rät Bürgern, ihre Heizungen nicht komplett abzuschalten, auch wenn sie das Haus verlassen. «Es ist energieeffizienter, eine konstante niedrige Temperatur zu halten, als einen komplett ausgekühlten Raum wieder aufzuheizen.»
Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen. «Die extreme Kälte belastet den Körper erheblich», warnt Dr. Maria Schmidt, Leiterin der Notaufnahme im Kölner Universitätsklinikum. «Wir sehen bereits einen Anstieg von Patienten mit Erfrierungen und Unterkühlung.» Sie empfiehlt, Aktivitäten im Freien auf ein Minimum zu reduzieren und bei notwendigen Ausgängen mehrere Schichten Kleidung zu tragen.
Schulen in NRW bleiben zwar geöffnet, aber viele Sportveranstaltungen im Freien wurden abgesagt. Die Stadt Düsseldorf hat zudem angekündigt, dass Schulen selbst entscheiden können, ob der Sportunterricht im Freien stattfindet. «Die Gesundheit der Kinder geht vor», betont Schuldezernentin Petra Wagner.
Auch Haustierhalter sollten besondere Vorsicht walten lassen. «Hunde mit kurzem Fell oder kleine Rassen können bei diesen Temperaturen schnell unterkühlen», warnt Tierärztin Claudia Meier. «Spaziergänge sollten kürzer gehalten werden, und für Tiere, die normalerweise draußen leben, wie manche Kaninchen, sollte eine wärmere Unterkunft organisiert werden.»
Die Kälteperiode wird voraussichtlich mindestens eine Woche anhalten. Erst zum kommenden Wochenende rechnen die Meteorologen mit einer leichten Entspannung der Lage. «Ab nächsten Samstag erwarten wir einen Wetterumschwung mit Temperaturen um den Gefrierpunkt», sagt Wetterexperte Michael Hoffmann.
Für die Bewohner von NRW bedeutet dies, dass sie sich auf eine herausfordernde Woche einstellen müssen. Experten empfehlen, Wasserleitungen zu schützen, Notfallvorräte anzulegen und besonders auf ältere Nachbarn zu achten. «In solchen Extremsituationen ist nachbarschaftliche Hilfe besonders wichtig», betont auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst.
Die aktuelle Kältewelle erinnert an den strengen Winter 2012, als ähnlich tiefe Temperaturen in NRW gemessen wurden. Damals kam es zu zahlreichen Unfällen und Störungen der Infrastruktur. Die Behörden hoffen, dass die verbesserten Vorbereitungen diesmal größere Probleme verhindern werden.