In Düsseldorf bewegt sich etwas in Sachen Sportförderung. Der Stadtsportbund unter der Leitung von Rainer Klaeren setzt neue Impulse für die lokale Sportlandschaft. In einem aufschlussreichen Interview erläutert Klaeren, wie die Förderung neu ausgerichtet wird und welche Chancen sich für Sportvereine in der Landeshauptstadt eröffnen.
«Wir wollen die Sportvereine dort abholen, wo sie stehen», erklärt Klaeren. «Jeder Verein hat unterschiedliche Bedürfnisse. Ein Schwimmverein braucht andere Unterstützung als ein Fußballclub oder ein Verein für Trendsportarten.» Diese differenzierte Betrachtung steht im Zentrum der neuen Förderkonzepte.
Die Zahlen sprechen für sich: In Düsseldorf sind über 100.000 Menschen in mehr als 300 Sportvereinen aktiv. Das entspricht etwa 16 Prozent der Stadtbevölkerung. Dennoch sieht der Stadtsportbund noch Potential, mehr Menschen in Bewegung zu bringen.
Ein besonderer Fokus liegt auf Kindern und Jugendlichen. «Nach Corona müssen wir viele Kinder erst wieder für Sport begeistern», berichtet Klaeren. «Viele haben während der Pandemie den Weg in die Vereine verloren.» Die Stadt stellt daher zusätzliche Mittel bereit, um speziell Projekte für junge Menschen zu fördern.
Die Sportförderung in Düsseldorf ruht auf mehreren Säulen. Neben der direkten finanziellen Unterstützung für Vereine bietet der Stadtsportbund auch Beratung bei Förderanträgen und Hilfe bei Verwaltungsaufgaben an. «Viele Vereine werden ehrenamtlich geführt. Da fehlt oft die Zeit für Bürokratie», weiß Klaeren aus zahlreichen Gesprächen mit Vereinsvertretern.
Für Bilk und Friedrichstadt gibt es besondere Pläne. Hier sollen neue Bewegungsräume entstehen, die für jedermann zugänglich sind. «Sport muss niedrigschwellig sein», betont Klaeren. «Nicht jeder möchte gleich Mitglied in einem Verein werden. Mit offenen Angeboten können wir mehr Menschen erreichen.»
Die Zusammenarbeit mit Schulen spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. In Kooperation mit dem Schulamt werden Sportprojekte entwickelt, die direkt an Schulen stattfinden. So lernen Kinder verschiedene Sportarten kennen und finden vielleicht den Weg in einen Verein.
Eine große Herausforderung bleibt die Infrastruktur. Obwohl Düsseldorf im Vergleich zu anderen Städten gut aufgestellt ist, gibt es Engpässe bei Hallenzeiten und Sportflächen. «Wir arbeiten mit der Stadt an kreativen Lösungen», sagt Klaeren. «Manchmal reicht es schon, bestehende Flächen besser zu nutzen oder umzugestalten.»
Auch die Integration von Geflüchteten und sozial benachteiligten Gruppen steht auf der Agenda. «Sport verbindet Menschen über alle Grenzen hinweg», ist Klaeren überzeugt. Mehrere Vereine haben bereits spezielle Programme gestartet, die Zugezogenen einen einfachen Einstieg ermöglichen.
Eine besondere Erfolgsgeschichte ist die Förderung des Behindertensports in Düsseldorf. «Wir haben in den letzten Jahren viel erreicht, aber es gibt noch viel zu tun», resümiert Klaeren. Barrierefreie Sportanlagen und inklusive Angebote sollen weiter ausgebaut werden.
Die Finanzierung all dieser Projekte bleibt eine Herausforderung. Neben städtischen Mitteln wirbt der Stadtsportbund auch Gelder von Sponsoren und aus Förderprogrammen des Landes ein. «Jeder Euro, der in Sport investiert wird, zahlt sich mehrfach aus – durch gesündere Bürger und einen stärkeren sozialen Zusammenhalt», argumentiert Klaeren.
Für die Zukunft plant der Stadtsportbund eine digitale Plattform, auf der alle Sportangebote der Stadt übersichtlich dargestellt werden. «Wir müssen dort sein, wo die Menschen heute nach Informationen suchen – im Internet und auf dem Smartphone», erklärt Klaeren die Initiative.
Die Bemühungen scheinen erste Früchte zu tragen. Nach dem Einbruch durch die Corona-Pandemie melden viele Düsseldorfer Vereine wieder steigende Mitgliederzahlen. «Das motiviert uns, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen», freut sich Klaeren.
«Sport ist mehr als Bewegung», fasst er zusammen. «Er ist Gemeinschaft, Integration und Lebensfreude. Diese Werte wollen wir in Düsseldorf stärken.»