Der Frühling weckt die Sehnsucht nach draußen, während in Kliniken die Sorgenfalten tiefer werden. Blutkonserven fehlen an allen Ecken und Enden. Das Deutsche Rote Kreuz schlägt Alarm: Die Lager leeren sich deutschlandweit, während die Spendenbereitschaft sinkt. Eine kritische Situation, die jederzeit eskalieren könnte.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Bei manchen Blutgruppen reicht der Vorrat kaum für einen Tag. Besonders die universell einsetzbare Gruppe 0 negativ wird dringend benötigt. Ich erinnere mich noch an meinen letzten Besuch im Spendezentrum Berlin-Mitte. Der Arzt flüsterte mir zu: «Wenn alle wüssten, wie knapp wir manchmal an der Katastrophe vorbeischrammen.»
Patientinnen und Patienten benötigen täglich 15.000 Blutspenden. Krebstherapien, Unfallversorgung und komplizierte Operationen hängen davon ab. Prof. Dr. Karin Hölig von der Uniklinik Dresden betont: «Eine moderne Medizin ist ohne ausreichende Blutversorgung nicht denkbar. Jede Spende zählt buchstäblich.»
Erstaunlich bleibt, wie wenig diese lebensrettende Handlung im Alltag präsent ist. Nur drei Prozent der Bevölkerung spenden regelmäßig. Dabei dauert der eigentliche Vorgang keine zehn Minuten. Beim letzten Mal saß ich zwischen einem Handwerker und einer Rentnerin. Drei Generationen, ein Ziel.
Die aktuelle Krise offenbart unsere gesellschaftliche Verantwortung füreinander. Während wir über Solidarität diskutieren, fehlt es an dieser fundamentalen Form der Hilfe. Vielleicht braucht es ein Umdenken, eine neue Erzählung vom Teilen dessen, was uns am Leben hält. Am Ende könnte jeder von uns morgen schon auf der anderen Seite stehen.