Article – Als ich letzte Woche einen Arzttermin buchen wollte, stolperte ich über ein faszinierendes Phänomen. Auf Doctolib wurden plötzlich weniger Termine angezeigt. Hintergrund ist ein aktuelles Gerichtsurteil, das dem beliebten Buchungsportal untersagt, Kassenpatienten Privattermine anzuzeigen. Eine kleine digitale Revolution im deutschen Gesundheitswesen, die viele von uns direkt betrifft.
Die Entscheidung des Landgerichts Hamburg trifft den Kern unseres zweiklassigen Gesundheitssystems. Bislang konnten gesetzlich Versicherte auf Doctolib auch Termine sehen, die eigentlich Privatpatienten vorbehalten sind. «Dies verleitet Kassenpatienten dazu, privat zu zahlen, obwohl sie Anspruch auf kostenfreie Kassenleistungen haben», erklärt Rechtsanwältin Sabine Meier, die den Fall beobachtet hat. Die Verbraucherzentrale hatte geklagt und nun Recht bekommen. Ich erinnere mich noch, wie ich selbst einmal aus Ungeduld einen Privatpatiententermin buchte. Die Rechnung traf mich dann doch härter als erwartet.
Doctolib muss seine Plattform nun anpassen. Kassenpatienten sehen künftig nur noch Termine, die ihrer Versicherung entsprechen. Für mich zeigt dieser Fall, wie digitale Lösungen manchmal alte Systeme herausfordern. Werden wir durch Technologie die Grenzen zwischen privat und gesetzlich versichert neu definieren? Vielleicht ist dies ein kleiner Schritt zu mehr Transparenz in unserem komplexen Gesundheitssystem.