Die Suche nach dem vermissten achtjährigen Jungen aus Frankfurt geht mit unverminderter Intensität weiter, nachdem gestern sein Schulranzen in einem Waldgebiet im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim gefunden wurde. Der Fund stellt eine wichtige Entwicklung in dem Fall dar, der seit Montagnachmittag die Stadtgemeinschaft in Atem hält.
Der Junge wurde zuletzt gesehen, als er nach Schulschluss den Heimweg antreten wollte. Laut Polizeiangaben hatte er sich gegen 13:30 Uhr von seinen Mitschülern verabschiedet, kam jedoch nie zu Hause an. Seine besorgten Eltern meldeten ihn am frühen Abend als vermisst, woraufhin umgehend eine großangelegte Suchaktion eingeleitet wurde.
«Wir setzen alle verfügbaren Kräfte ein, um den Jungen zu finden», erklärte Polizeisprecher Michael Weber heute bei einem kurzen Pressegespräch. «Der Fund des Schulranzens gibt uns nun einen konkreten Ansatzpunkt für die weitere Suche.» Die Polizei hat den Suchradius auf das betreffende Waldgebiet konzentriert, wo Spürhunde, Drohnen mit Wärmebildkameras und über 100 Einsatzkräfte im Einsatz sind.
Der blaue Schulranzen wurde von einem Spaziergänger entdeckt, der sofort die Polizei verständigte. Nach Angaben der Ermittler befanden sich darin noch alle Schulhefte und persönlichen Gegenstände des Kindes. Warum der Ranzen im Wald zurückgelassen wurde, ist derzeit noch unklar. Das Waldgebiet liegt nicht auf dem üblichen Schulweg des Jungen.
Die Grundschule, die der Achtjährige besucht, hat ein Krisenteam eingerichtet. Schulleiterin Claudia Müller teilte mit: «Unsere Gedanken sind bei dem vermissten Kind und seiner Familie. Wir stehen in engem Kontakt mit den Eltern und bieten allen Schülern und Lehrkräften psychologische Unterstützung an.»
In den umliegenden Stadtteilen haben sich zahlreiche Freiwillige den Suchmannschaften angeschlossen. «Es ist überwältigend zu sehen, wie die Gemeinschaft zusammenkommt», sagte Marion Schmidt, eine Nachbarin der Familie. «Viele haben ihre Arbeit unterbrochen oder sich freigenommen, um bei der Suche zu helfen.»
Die Polizei bittet weiterhin um Hinweise aus der Bevölkerung. Insbesondere Personen, die sich am Montagnachmittag im Bereich Bergen-Enkheim aufgehalten haben, werden gebeten, ihre Beobachtungen zu melden. Auch Anwohner mit Überwachungskameras werden aufgerufen, ihr Material zu überprüfen.
Bürgermeister Thomas Beck zeigte sich tief besorgt: «Die ganze Stadt hofft auf ein gutes Ende dieser belastenden Situation. Wir stehen der Familie bei und unterstützen die Einsatzkräfte mit allem, was sie benötigen.»
Nach Aussagen von Mitschülern war der Junge am Tag seines Verschwindens gut gelaunt und hatte nichts von besonderen Plänen erwähnt. Die Polizei untersucht alle möglichen Szenarien, schließt jedoch derzeit ein Verbrechen nicht aus.
Eine Nachtwache mit Kerzen wurde spontan von Anwohnern vor der Grundschule organisiert. «Wir wollen ein Zeichen der Hoffnung setzen«, sagte eine der Organisatorinnen. «Niemand kann ruhig schlafen, solange das Kind nicht gefunden ist.»
Die Suche wird auch in der kommenden Nacht mit Wärmebildkameras und spezieller Ausrüstung fortgesetzt. Die Polizei richtet eine zentrale Anlaufstelle für Freiwillige am Rande des Waldgebiets ein, um die Suchaktionen besser koordinieren zu können.
Der Fall weckt Erinnerungen an ähnliche Vermisstenfälle der vergangenen Jahre, bei denen Kinder auf dem Schulweg verschwanden. Die Polizei betont jedoch, dass jeder Fall individuell behandelt werden müsse und voreilige Schlüsse nicht hilfreich seien.
Experten raten Eltern, mit ihren Kindern offen aber altersgerecht über den Vorfall zu sprechen. «Kinder bekommen solche Nachrichten mit und machen sich ihre eigenen Gedanken», erklärt Kinderpsychologin Dr. Sabine Kraus. «Wichtig ist, ihnen zuzuhören und ihre Fragen ernst zu nehmen, ohne Angst zu schüren.«
Die Polizei bittet alle, die Hinweise zum Verbleib des Jungen geben können, sich unter der eigens eingerichteten Hotline zu melden. Auch die kleinste Beobachtung könnte von Bedeutung sein.