Die Grippewelle rollt mit unerwarteter Wucht über Düsseldorf hinweg. In den vergangenen zwei Wochen verzeichnete das Gesundheitsamt einen alarmierenden Anstieg der Influenza-Fälle. Besonders betroffen sind diesmal Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 14 Jahren.
«Die Situation entwickelt sich dynamischer als in den Vorjahren«, erklärt Dr. Klaus Weber vom Gesundheitsamt Düsseldorf. «Allein letzte Woche wurden 342 neue Grippefälle gemeldet – das sind fast doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres.» Die Zahlen steigen weiter an, und mehrere Schulen melden bereits überdurchschnittlich hohe Fehlzeiten.
In der Grundschule Gerresheim fehlten am Montag 28 Prozent der Schüler. Auch die Luisengrundschule in der Altstadt ist stark betroffen. Schulleiterin Martina Schneider berichtet: «Wir mussten bereits drei Klassen teilweise schließen, weil sowohl Kinder als auch Lehrkräfte erkrankt sind. So eine Situation hatten wir lange nicht mehr.»
Die Symptome sind diesmal besonders heftig. Hohes Fieber über 39 Grad, starke Gliederschmerzen und quälender Husten halten die Betroffenen oft mehr als eine Woche im Bett. Viele Düsseldorfer Hausarztpraxen arbeiten am Limit. Dr. Sabine Müller von der Gemeinschaftspraxis am Hofgarten sagt: «Wir sehen täglich 15 bis 20 neue Grippepatienten. Unser Wartezimmer ist ständig voll, und wir müssen Überstunden machen, um alle versorgen zu können.»
Das Universitätsklinikum Düsseldorf hat auf die steigende Zahl schwerer Fälle reagiert. «Wir haben zwei zusätzliche Stationen für Atemwegserkrankungen eingerichtet», erklärt Professor Dieter Schmidt, Leiter der Notaufnahme. «Besonders Kinder und ältere Menschen mit Vorerkrankungen landen häufiger im Krankenhaus.»
Das Landesgesundheitsamt NRW bestätigt den Trend für das gesamte Bundesland. Die Grippeinzidenz liegt aktuell bei 48,7 Fällen pro 100.000 Einwohner – in Düsseldorf sogar bei 62,3. Zum Vergleich: Im Februar 2023 lag der Wert bei nur 27,4.
Experten führen den starken Anstieg auf mehrere Faktoren zurück. Zum einen zirkulieren dieses Jahr besonders aggressive Virusvarianten. Zum anderen ist die Immunität in der Bevölkerung nach den Corona-Jahren geschwächt. «Viele Menschen haben durch Masken und Kontaktbeschränkungen weniger Kontakt mit Grippeviren gehabt. Jetzt fehlt ihnen eine gewisse Grundimmunität», erklärt Virologin Dr. Maria König vom Institut für Virologie am Universitätsklinikum.
Die städtische Gesundheitsdezernentin Clara Hoffmann ruft die Düsseldorfer zur Vorsicht auf: «Wer typische Grippesymptome wie plötzliches hohes Fieber und starke Gliederschmerzen bemerkt, sollte zu Hause bleiben und telefonisch den Arzt kontaktieren.» Sie betont auch, dass eine Impfung noch sinnvoll sei, da die Grippewelle voraussichtlich noch bis April anhalten wird.
Die Stadt hat reagiert und bietet seit dieser Woche zusätzliche Impftermine im Gesundheitsamt an. «Wir haben die Kapazitäten verdoppelt und impfen jetzt montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr ohne Termin», sagt Amtsleiter Dr. Weber. Besonders Risikopatienten und Menschen, die beruflich viel Kontakt haben, sollten das Angebot nutzen.
Auch in Kitas und Schulen wurden die Hygienemaßnahmen verschärft. Die Stadt hat alle Einrichtungen mit zusätzlichen Desinfektionsmitteln ausgestattet und empfiehlt regelmäßiges Lüften. Einige Schulen haben bereits Klassenfahrten und größere Veranstaltungen verschoben.
Eltern sind besorgt. Lisa Kramer, Mutter zweier Grundschulkinder, berichtet: «Mein Sohn hat es letzte Woche erwischt, jetzt liegt meine Tochter flach. Die Krankheit zieht sich wirklich lange hin, und das Fieber war schwer in den Griff zu bekommen.»
Besonders betroffen sind auch die Düsseldorfer Betriebe. Die IHK Düsseldorf schätzt den wirtschaftlichen Schaden durch Arbeitsausfälle bereits auf mehrere Millionen Euro. Große Unternehmen wie Henkel und die Rheinbahn melden Personalengpässe. Die Rheinbahn musste bereits einzelne Fahrten streichen, weil zu viele Fahrer erkrankt sind.
In den Apotheken der Stadt werden Fiebersäfte und Hustenmittel knapp. «Wir verkaufen dreimal so viele fiebersenkende Mittel wie sonst üblich», sagt Apothekerin Claudia Schmitz von der Löwen-Apotheke in Bilk. «Manche Produkte sind bereits nicht mehr lieferbar.»
Dr. Weber vom Gesundheitsamt rät zu bewährten Schutzmaßnahmen: «Regelmäßiges Händewaschen, Abstand halten und in die Armbeuge niesen sind einfache, aber wirksame Methoden, um sich zu schützen.» Zudem empfiehlt er, in vollen Bussen und Bahnen wieder Maske zu tragen.
Wann die Grippewelle ihren Höhepunkt erreicht, ist noch nicht abzusehen. Gesundheitsexperten rechnen damit, dass die Fallzahlen noch bis Mitte März steigen werden. «Wir müssen uns auf herausfordernde Wochen einstellen», betont Dr. Weber. «Die gute Nachricht ist, dass wir aus der Pandemie viel über den Umgang mit Infektionskrankheiten gelernt haben.»
Die Stadt hat eine Hotline für Bürger eingerichtet, die Fragen zur Grippe haben. Unter 0211-8996500 beraten medizinische Fachkräfte montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr.