In der Dortmunder Nordstadt kam es am späten Mittwochabend zu einem Schusswaffeneinsatz, der einen Mann schwer verletzte. Die Mordkommission der Polizei hat die Ermittlungen wegen versuchten Mordes aufgenommen. Der Vorfall ereignete sich gegen 23:30 Uhr im Bereich der Münsterstraße, einer bekannten Hauptverkehrsader des Stadtteils.
Nach ersten Erkenntnissen wurde ein 37-jähriger Mann durch mehrere Schüsse schwer verletzt. Passanten fanden den Verletzten auf dem Gehweg und alarmierten umgehend Rettungskräfte und Polizei. Der Notarzt stabilisierte den Schwerverletzten vor Ort, bevor er in ein nahegelegenes Krankenhaus transportiert wurde. Die Ärzte bezeichnen seinen Zustand als ernst, aber nach aktuellen Informationen nicht mehr als lebensgefährlich.
«Wir haben sofort eine Mordkommission eingerichtet», erklärt Polizeisprecher Peter Bandermann. «Die Spuren am Tatort deuten auf ein gezieltes Vorgehen hin. Wir gehen momentan nicht von einer zufälligen Tat aus.»
Die Polizei sperrte den Tatort weiträumig ab. Spezialisten der Spurensicherung sicherten bis in die frühen Morgenstunden Beweise und fotografierten den Tatort. Mehrere Projektile und Patronenhülsen wurden gefunden und zur weiteren Untersuchung sichergestellt.
«Es waren deutlich Schüsse zu hören», berichtet Anwohnerin Sabine Müller (42), die in unmittelbarer Nähe des Tatorts wohnt. «Zuerst dachte ich an Feuerwerkskörper, aber dann kamen die Martinshörner und überall waren Polizeiautos.»
Die Ermittler befragen aktuell Anwohner und werten Aufnahmen von Überwachungskameras aus. Nach Informationen aus Ermittlungskreisen könnte die Tat in Verbindung mit Konflikten im Drogenmilieu stehen. Die Nordstadt gilt seit Jahren als Brennpunkt für Drogenhandel und damit verbundene Kriminalität.
Oberbürgermeister Thomas Westphal zeigte sich besorgt über den Vorfall: «Solche Gewaltakte haben in unserer Stadt keinen Platz. Wir arbeiten eng mit der Polizei zusammen, um die Sicherheit in der Nordstadt zu verbessern.»
Die Polizei bittet Zeugen, die zur Tatzeit verdächtige Beobachtungen gemacht haben, sich unter der Telefonnummer 0231-1327441 zu melden. Besonders wichtig sind Hinweise zu Personen, die kurz vor oder nach der Tat im Bereich der Münsterstraße gesehen wurden.
Der Täter ist flüchtig. Nach Zeugenaussagen soll es sich um einen etwa 1,80 Meter großen Mann in dunkler Kleidung handeln, der nach den Schüssen in Richtung Nordmarkt geflüchtet sein soll. Die Polizei hat eine Fahndung eingeleitet.
Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art in der Nordstadt. In den vergangenen zwei Jahren kam es wiederholt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, teilweise mit Messer- oder Schusswaffeneinsatz. Stadtvertreter, Polizei und soziale Träger arbeiten an Konzepten, um die Sicherheitssituation im Viertel zu verbessern.
Die Polizei verstärkte nach dem Vorfall ihre Präsenz in der Nordstadt. Streifenwagen patrouillierten die ganze Nacht über im betroffenen Gebiet. Anwohner werden gebeten, verdächtige Beobachtungen sofort zu melden.
Die Mordkommission wird in den nächsten Tagen weitere Zeugenvernehmungen durchführen und das Umfeld des Opfers genauer untersuchen. Ob der 37-Jährige selbst bereits vernommen werden konnte, teilte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mit.