Die Berliner Clubszene erlebt nach schwierigen Pandemiejahren einen kraftvollen Neustart. Zahlreiche neue Veranstaltungsorte öffnen ihre Türen, während etablierte Clubs mit innovativen Konzepten das Nachtleben der Hauptstadt bereichern. Als Lokalredakteurin habe ich mich umgehört und die spannendsten Entwicklungen für Sie zusammengetragen.
Im Herzen von Kreuzberg hat der neue Club «Pulse» eröffnet, der in den renovierten Räumen einer ehemaligen Druckerei untergebracht ist. Die Betreiber haben besonderen Wert auf ein nachhaltiges Energiekonzept gelegt. «Wir wollen zeigen, dass Clubkultur und Umweltbewusstsein Hand in Hand gehen können», erklärt Clubmanagerin Jana Weber. Der Veranstaltungsort setzt auf ein abwechslungsreiches Programm mit elektronischer Musik, Live-Acts und Kulturveranstaltungen.
Auch in Friedrichshain tut sich einiges. Das Kollektiv «Soundwave» hat nach zwei Jahren Planungszeit einen neuen Raum in einem Industriegebäude eröffnet. «Nach der Pandemie wollten wir einen Ort schaffen, der mehr als nur ein Club ist – ein kultureller Treffpunkt für die Gemeinschaft», sagt Mitbegründer Markus Lehmann. Besonders ist hier das Konzept der flexiblen Raumnutzung: Tagsüber finden Workshops und Kunstausstellungen statt, nachts verwandelt sich der Ort in einen vibrierenden Club.
Die Clubkommission Berlin verzeichnet für 2024 einen Anstieg neuer Veranstaltungsorte um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. «Diese Entwicklung zeigt die Widerstandsfähigkeit unserer Szene», betont Lutz Leichsenring, Sprecher der Clubkommission. «Gleichzeitig kämpfen viele etablierte Clubs weiterhin mit steigenden Mieten und behördlichen Auflagen.»
Einige Traditionsclubs haben auf diese Herausforderungen mit kreativen Lösungen reagiert. Das «Watergate» am Spreeufer bietet nun zusätzlich zu seinen regulären Partys eine Reihe von Tagesveranstaltungen an, die Musik mit Kunstinstallationen und Gastronomie verbinden. «Die Gäste suchen heute mehr als nur die klassische Clubnacht», erklärt Programmchef Stefan Bauer. «Sie wollen ein Gesamterlebnis, das verschiedene kulturelle Aspekte vereint.»
Das Publikum wird vielfältiger, wie eine aktuelle Umfrage des Berliner Tourismusamts zeigt: 40 Prozent der Clubbesucher kommen inzwischen aus dem Ausland, was den internationalen Ruf Berlins als Hauptstadt der Clubkultur unterstreicht. Besonders beliebt sind Veranstaltungen, die lokale und internationale Künstler zusammenbringen.
Im Wedding hat das «Nordlicht» eröffnet, ein Club, der sich auf nordische Elektronik und Jazz-Fusion spezialisiert hat. In einem umgebauten Fabrikgebäude aus den 1920er Jahren bietet er nicht nur Tanzflächen, sondern auch gemütliche Loungebereiche. «Wir wollten einen Ort schaffen, an dem auch Menschen über 30 sich wohlfühlen», sagt Gründerin Sasha Müller.
Ein besorgniserregender Trend sind jedoch die steigenden Eintrittspreise. Während vor der Pandemie der Durchschnittspreis bei etwa 12 Euro lag, müssen Nachtschwärmer heute oft 18 bis 25 Euro zahlen. «Die höheren Kosten sind teilweise notwendig, um faire Gagen zu zahlen und steigende Betriebskosten zu decken», erklärt Clubbetreiber Daniel Hesse. «Trotzdem versuchen wir, regelmäßig günstigere Veranstaltungen anzubieten, um niemanden auszuschließen.»
Die Stadtverwaltung hat die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung der Clubszene erkannt und ein Förderprogramm aufgelegt. Für 2024 stehen 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, um innovative Konzepte und nachhaltige Umbauten zu unterstützen. «Berlin lebt von seiner vielfältigen Clubkultur, die wir erhalten und fördern wollen», betont Kultursenator Joe Chialo bei der Vorstellung des Programms.
Für die Sommermonate haben viele Clubs Außenbereiche eingerichtet oder erweitert. Das «Wilde Renate» in Friedrichshain hat seinen Garten neu gestaltet und bietet dort nun regelmäßig Tagpartys an. «Die Menschen wollen bei gutem Wetter nicht in dunklen Räumen feiern», sagt Betreiberin Else Schmidt. «Mit unseren Open-Air-Events reagieren wir auf diesen Wunsch.»
Besonders beliebt sind in diesem Jahr auch Pop-up-Clubs, die nur für begrenzte Zeit an ungewöhnlichen Orten stattfinden. So verwandelt das Kollektiv «Urban Spaces» leerstehende Gebäude für einzelne Wochenenden in temporäre Clubs. «Die Vergänglichkeit macht den Reiz aus», erklärt Organisator Tim Krause. «Jede Party ist einzigartig und nicht wiederholbar.»
Neu ist auch der Fokus auf Nachhaltigkeit. Mehrere Clubs haben Mehrwegsysteme für Getränke eingeführt und achten auf energiesparende Licht- und Soundanlagen. Das «Green Club Label», eine Initiative der Clubkommission, zertifiziert Veranstaltungsorte, die besonders umweltfreundlich arbeiten. Bereits zehn Berliner Clubs tragen diese Auszeichnung.
Für Clubgänger gibt es 2024 mehr Auswahl denn je. Von intimen Jazz-Sessions über experimentelle Elektronik bis zu großen Techno-Events – die Berliner Nächte sind so vielfältig wie die Stadt selbst. Bei meinen Besuchen in den neuen Locations habe ich festgestellt: Die Szene lebt von Veränderung und bleibt doch ihrem Kern treu – dem gemeinsamen Erleben von Musik, Tanz und Gemeinschaft.
Trotz aller positiven Entwicklungen gibt es weiterhin Herausforderungen. Der Wohnungsbau rückt immer näher an traditionelle Clubstandorte heran, was zu Konflikten wegen Lärmbelästigung führt. «Wir brauchen mehr Verständnis für die Bedeutung der Nachtkultur», fordert Pamela Fischer vom Verband der Clubbetreiber. «Ein Agent of Change-Prinzip, bei dem neue Anwohner die bestehende Clubkultur akzeptieren müssen, wäre ein wichtiger Schritt.»
Die Clubszene Berlins bleibt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Laut einer Studie des Senats generiert sie jährlich etwa 1,5 Milliarden Euro Umsatz und sichert rund 9.000 Arbeitsplätze. Für 2024 werden etwa 12 Millionen Clubbesucher erwartet – mehr als je zuvor.
Die Berliner Clubnächte sind und bleiben ein wesentlicher Teil der Stadtkultur – eine sich ständig wandelnde, lebendige Szene, die der Stadt ihren einzigartigen Puls verleiht.