Der Marktplatz in Kempten verwandelte sich gestern in einen lebendigen Ort des Austauschs. Menschen unterschiedlicher Herkunft und Überzeugungen saßen an runden Tischen zusammen. Ein ungewöhnliches Bild in Zeiten verhärteter Fronten. Der Bürgerdialog «Miteinander im Gespräch» hat gezeigt, dass respektvoller Austausch möglich ist – auch wenn die Meinungen auseinandergehen.
«Was uns wirklich fehlt, ist die Fähigkeit zuzuhören», erklärt Moderatorin Sabine Kühn. «Viele warten nur darauf, ihre eigene Meinung anzubringen, statt wirklich zu verstehen.» Beim gestrigen Dialog ging es genau darum: Brücken bauen, wo sonst Gräben entstehen. Themen wie Migration, Klimaschutz und lokale Entwicklung wurden diskutiert – ohne erhobenen Zeigefinger.
Beeindruckend war die Mischung der Teilnehmer. Vom Gymnasiasten bis zur Rentnerin, vom Handwerker bis zur Ärztin – alle fanden einen Platz am Tisch. Ich selbst beobachtete eine Gruppe, in der ein pensionierter Polizist und ein junger Klimaaktivist ins Gespräch kamen. Nach anfänglicher Skepsis entwickelte sich ein respektvoller Dialog.
«Man muss nicht einer Meinung sein, aber man sollte bereit sein, andere Perspektiven zu verstehen», sagte Oberbürgermeister Thomas Kiechle beim Abschluss der Veranstaltung. Diese Bereitschaft war spürbar. Viele Teilnehmer tauschten am Ende Kontaktdaten aus.
Der Bürgerdialog in Kempten zeigt einen möglichen Weg aus der gesellschaftlichen Polarisierung. Wenn Menschen einander zuhören, entstehen neue Verbindungen. In einer Zeit, in der digitale Echokammern uns voneinander entfernen, sind solche persönlichen Begegnungen Gold wert. Und vielleicht ist genau das unser Weg zu mehr Zusammenhalt – ein Gespräch nach dem anderen.