Der Schulhof verstummt, als ich durch das Tor trete. Ausgerechnet in Sachsen-Anhalt, wo Bildungsminister Tullner gerade eine Vollbremsung bei der Inklusion verkündet hat. Was für viele Eltern behinderter Kinder wie ein Schlag ins Gesicht wirkt, soll nun pädagogischer Pragmatismus sein. «Wir müssen zugeben, dass wir aktuell nicht über die Ressourcen verfügen, um Inklusion flächendeckend umzusetzen,» erklärt der Minister.
Während ich durch die Gänge einer Magdeburger Grundschule gehe, erzählt mir Sonderpädagogin Martina Henning von der täglichen Gratwanderung. «Wir wollen jedem Kind gerecht werden, aber ohne ausreichend Personal ist das oft unmöglich.» In ihrem Klassenzimmer sitzen 24 Kinder, drei davon mit besonderem Förderbedarf. Der Mangel an Fachkräften ist überall spürbar.
Vergangenen Herbst besuchte ich eine Förderschule in Halle. Der Kontrast war bemerkenswert. Kleinere Klassen, spezialisiertes Personal. Doch die Schüler leben in ihrer eigenen Welt, abseits vom regulären Schulsystem. «Mein Sohn braucht diese geschützte Umgebung», vertraute mir eine Mutter an. Eine andere kämpft verbissen für den Regelschulbesuch ihrer Tochter.
Die bildungspolitische Realität ist ein Spiegelbild gesellschaftlicher Prioritäten. Während andere Bundesländer den inklusiven Weg weitergehen, tritt Sachsen-Anhalt auf die Bremse. Vielleicht braucht es diesen Moment der Ehrlichkeit. Doch für betroffene Familien bleibt die bittere Frage: Ist Teilhabe wirklich nur eine Frage der Kassenlage?