Die Frankfurter Einkaufsmeile Zeil stand am vergangenen Wochenende im Zentrum einer umfangreichen Polizeikontrolle. Bei der Aktion wurden neun Strafverfahren eingeleitet und ein erheblicher Bargeldbetrag sichergestellt. Die Polizei spricht von einem erfolgreichen Einsatz im Kampf gegen Drogenkriminalität und andere Vergehen.
Etwa 70 Beamte waren an dem Einsatz beteiligt, der sich auf den belebten Bereich zwischen Hauptwache und Konstablerwache konzentrierte. Die Kontrolle begann am frühen Abend und dauerte mehrere Stunden. Die Polizei überprüfte insgesamt 37 Personen und durchsuchte mehrere Geschäftsräume in der Umgebung.
«Wir nehmen die Sicherheitsbedenken der Bürgerinnen und Bürger sehr ernst», erklärt Polizeihauptkommissarin Maria Weber. «Solche gezielten Kontrollen sind ein wichtiges Instrument, um die Präsenz von Drogen und anderen illegalen Aktivitäten in unserer Innenstadt einzudämmen.»
Die Beamten stellten bei der Aktion verschiedene Drogen sicher, darunter Cannabis, Kokain und synthetische Substanzen. Zudem wurde Bargeld in Höhe von mehreren tausend Euro beschlagnahmt, das vermutlich aus Drogengeschäften stammt. Die genaue Summe wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen.
Unter den neun eingeleiteten Strafverfahren befinden sich Fälle von Drogenhandel, Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht und ein Fall von Körperverletzung. Ein 24-jähriger Mann wurde vorläufig festgenommen, nachdem bei ihm eine größere Menge Rauschgift gefunden wurde.
Die Zeil als Frankfurts Haupteinkaufsstraße zieht täglich tausende Menschen an. In den vergangenen Monaten hatten Anwohner und Geschäftsinhaber verstärkt über Drogenhandel und zunehmende Unsicherheit in diesem Bereich geklagt.
Stadtrat Thomas Müller begrüßt den Polizeieinsatz: «Die Sicherheit in unserer Innenstadt hat oberste Priorität. Die Kontrolle zeigt, dass wir konsequent gegen Kriminalität vorgehen. Gleichzeitig arbeiten wir an langfristigen Lösungen, um die Situation nachhaltig zu verbessern.»
Kritik an der Großkontrolle kommt hingegen von der Bürgerinitiative «Sicheres Frankfurt». Deren Sprecherin Lisa Schmidt meint: «Solche punktuellen Aktionen verschieben das Problem nur. Was wir brauchen, ist ein umfassendes Konzept mit sozialer Betreuung, mehr Beleuchtung und regelmäßiger Präsenz.»
Die Polizei kündigte an, auch in den kommenden Wochen verstärkt in der Innenstadt präsent zu sein. Neben weiteren Kontrollen setzt man auf den Dialog mit Anwohnern, Geschäftsinhabern und sozialen Einrichtungen.
«Wir können das Problem nicht allein durch polizeiliche Maßnahmen lösen», betont Polizeisprecher Michael Schmidt. «Es braucht einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem alle Akteure zusammenarbeiten.»
Die Stadtverordnetenversammlung hat kürzlich zusätzliche Mittel für ein Sicherheitskonzept in der Innenstadt bewilligt. Dieses umfasst mehr Sozialarbeiter, bessere Beleuchtung und die Ausweitung des Präventionsprogramms «Saubere Innenstadt».
Einkäufer auf der Zeil reagieren unterschiedlich auf die Kontrolle. «Ich finde es gut, dass die Polizei durchgreift», sagt die 67-jährige Rentnerin Helga Berger. «In den letzten Jahren habe ich mich manchmal unwohl gefühlt, besonders in den Abendstunden.»
Der 23-jährige Student Jan Hoffmann sieht die Aktion kritischer: «Man löst soziale Probleme nicht mit Polizeikontrollen. Viele der Betroffenen brauchen Hilfe statt Strafe.»
Nach Angaben der Polizei sollen die Ergebnisse der Großkontrolle nun ausgewertet werden, um künftige Maßnahmen gezielter planen zu können. Weitere Schwerpunktkontrollen sind bereits in Planung.