In einem schockierenden Gewaltakt haben Mitglieder einer Kölner Drogengruppe einen ihrer Dealer brutal gefoltert. Der Grund für die Tat erscheint erschreckend banal: Das Opfer hatte sein «Diensthandy» verloren, über das Drogenkunden ihre Bestellungen aufgaben.
Wie aus Ermittlerkreisen bekannt wurde, ereignete sich der Fall im Kölner Stadtteil Mülheim. Die Täter entführten den 32-jährigen Mann in eine Wohnung, wo sie ihm mehrere Stunden lang schwere Gewalt zufügten. Das Opfer wurde geschlagen, mit Messern bedroht und mit kochendem Wasser verbrüht. Besonders grausam: Die Angreifer trennten dem Mann mehrere Zehen ab.
«Die Brutalität in diesem Fall zeigt, wie rücksichtslos organisierte Drogengruppen vorgehen», erklärt Kriminalhauptkommissar Thomas Schürmann. «Das verlorene Handy war für die Bande nicht nur ein Wertverlust, sondern auch ein Sicherheitsrisiko. Darauf gespeicherte Kontakte und Nachrichten könnten bei polizeilichen Ermittlungen gegen sie verwendet werden.»
Die Polizei konnte drei Tatverdächtige im Alter zwischen 24 und 38 Jahren festnehmen. Sie stammen aus dem nordafrikanischen Raum und sollen Teil eines größeren Netzwerks sein, das den Drogenhandel in mehreren Kölner Stadtteilen kontrolliert. Bei Durchsuchungen fanden die Beamten neben Drogen auch Waffen und mehrere sogenannte «Burner-Phones» – Prepaid-Handys, die schwer zurückzuverfolgen sind.
Das schwerverletzte Opfer wurde von Passanten auf einer Straße in Köln-Mülheim gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Die Ärzte konnten sein Leben retten, aber die abgetrennten Zehen nicht wieder annähen. Der Mann leidet unter schweren Traumata und wird vermutlich bleibende körperliche Schäden davontragen.
«Dieser Fall verdeutlicht die zunehmende Gewaltbereitschaft im Drogenmilieu», sagt Stefanie Becker von der Drogenberatungsstelle Köln. «Die Dealer stehen unter enormem Druck von oben. Wer Fehler macht oder Schwäche zeigt, wird brutal bestraft – als Abschreckung für andere.»
Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen schwerer Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung erhoben. Den Tatverdächtigen drohen langjährige Haftstrafen.
Experten sehen in dem Vorfall ein Symptom für die Verschärfung der Konkurrenzkämpfe im Kölner Drogenhandel. Verschiedene Gruppen ringen um die Kontrolle lukrativer Verkaufsgebiete, besonders in den Stadtteilen Mülheim, Kalk und Teilen der Innenstadt.
Die Polizei Köln hat ihre Präsenz in den betroffenen Gebieten verstärkt und arbeitet mit Spezialkräften daran, die Strukturen der organisierten Kriminalität aufzudecken. Gleichzeitig weisen Suchtberater darauf hin, dass eine rein repressive Strategie das Problem nicht lösen wird.
«Wir brauchen einen ganzheitlichen Ansatz, der Prävention, Suchtberatung und soziale Integration einschließt», betont Becker. «Solange die Nachfrage nach illegalen Substanzen hoch bleibt, wird es immer Gruppen geben, die diesen Markt bedienen – mit allen brutalen Begleiterscheinungen.»
Das Opfer befindet sich mittlerweile in einem Zeugenschutzprogramm. Die Polizei befürchtet weitere Gewaltakte im Kampf um die Vorherrschaft im Kölner Drogenhandel.